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 Betreff des Beitrags: Re: Truppenfunksystem "CONRAD"
BeitragVerfasst: 02. Jun 2015, 15:05 

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Beiträge: 20787
Beschaffung des Truppenfunksystems CONRAD (Reihe Bund 2015/8)



Den folgenden Kritikpunkt kann ich überhaupt nicht nachvollziehen:

    Zitat:
    Einführung und Verwendung des Systems CONRAD

      Verwendung im Auslandseinsatz

        24.1 Laut Militärischem Pflichtenheft aus 2005 sollte das System CONRAD aufgrund seiner grundlegenden Eigenschaften (Ausfallsicherheit, Störfestigkeit, Abhörsicherheit, Transportfähigkeit, Modularität, Schutz gegen Aufklärung, nutzerseitige volle gefechtsmäßige Handhabbarkeit) vorrangig bei jenen Truppenteilen eingeführt werden, die im Auslandseinsatz standen bzw. bei internationalen Operationen eingesetzt waren, um der hohen Operationsgeschwindigkeit moderner Streitkräfte folgen zu können.

        Gemäß den Erhebungen des RH verwendete das BMLVS im November 2013 nur sechs von insgesamt rd. 5.000 beschafften Funkgeräten im Auslandseinsatz. Fünf weitere Geräte befanden sich im Rahmen der Ausbildung von Eurofighter–Piloten in Italien.

        24.2 Der RH beanstandete, dass das BMLVS seine planerische Vorgabe, das System CONRAD vorrangig bei den im Ausland eingesetzten Truppenteilen einzuführen, um der hohen Operationsgeschwindigkeit moderner Streitkräfte folgen zu können, nicht umgesetzt hatte.

        Der RH empfahl dem BMLVS, die Truppenausstattung mit dem System CONRAD gemäß den planerischen Vorgaben und unter Berücksichtigung des tatsächlichen Bedarfs durchzuführen.

        24.3 Das BMLVS teilte in seiner Stellungnahme mit, dass die Verstärkungskräfte bei den Auslandseinsätzen KFOR (Kosovo) und EUFOR (Bosnien) immer mit dem System CONRAD ausgerüstet worden seien. Im Kosovo und in Bosnien seien aber großteils handelsübliche Fahrzeuge ohne Funkeinbauten im Einsatz. Die EU–Battle–Group 2012 (EUBG 2012) sei bereits mit dem System CONRAD ausgerüstet, vorbereitet und bereit gehalten gewesen.

        24.4 Der RH entgegnete, dass das BMLVS — entgegen den planerischen Vorgaben — im November 2013 nur sechs von insgesamt rd. 5.000 beschafften Funkgeräten des Systems CONRAD im Auslandseinsatz verwendet hatte.

Dass der Rechnungshof dem BMLVS im Nachhinein vorwirft, Vorgaben aus einem Pflichtenheft des Jahres 2005 (!) acht Jahre später "nicht umgesetzt" zu haben, ist verrückt. Man muss sich nur einmal den Sturzflug beim Ambitionsniveau für Auslandseinsätze ansehen:

    COMMENDA Othmar (Hrsg.): ÖBH 2010. Die Realisierung (Wien 2005), p. 71 hat geschrieben:
    5.1.1. Aufgabenabfolge (Einsatzambition) im Ausland

    Grundsätzlich ist immer der zeitlich unbefristete Einsatz von zwei Bataillonen, verstärkt durch eine anteilige Führungsunterstützung, Kampfunterstützung und Einsatzunterstützung, in einer Stabilisierungsoperation [„Stabilization and Reconstruction (SR)“ – beschreibt eine niedere bis mittlere Bedrohung/Intensität] auch in getrennten Einsatzräumen sicherzustellen.

    Der Einsatz einer Rahmenbrigade („Framework-Brigade“) mit zumindest zwei Kampfverbänden mit wesentlichen Anteilen der erforderlichen Führungs-, Kampf- und Einsatzunterstützung ist grundsätzlich im oberen Spektrum (in einem neuen Einsatzraum), im Rahmen eines Szenarios „Conflict Prevention/Preventive Deployment (CP/ PD)“ bzw. „Separation of Parties by Force (SOPF)“ zu planen. Selbstverständlich kann der Brigadeeinsatz auch – zum Beispiel als Aufwuchs in einem bereits bestehenden Einsatzraum – im Szenario SR erfolgen. Der Brigadeeinsatz erfordert hierbei die Bereitstellung der notwendigen Kräfte innerhalb von 30 Tagen, ist auf die Dauer von einem Jahr begrenzt und grundsätzlich nur alle vier Jahre wiederholbar.

    Darüber hinaus muss während eines Brigadeeinsatzes ein bereits bestehender Einsatz eines Kampfverbandes in einer Stabilisierungsoperation (SR) in einem anderen Raum weitergeführt werden können. Daraus ergibt sich das Erfordernis der Sicherstellung eines gleichzeitigen Einsatzes von maximal drei strukturierten Kampfverbänden über einen Zeitraum von einem Jahr.

    Zusätzlich zu dem bereits angeführten strukturierten – und somit strukturbegründenden – Einsatz ist gemäß den Empfehlungen der BHRK die flexible Ausweitung auf einen zusätzlichen Einsatz eines kleinen Verbandes – nicht strukturbegründend – unter verstärkter Abstützung auf Milizteile des Bundesheeres für klassisches Peacekeeping sicherzustellen. Da derartige Einsätze grundsätzlich über einen langen Zeitraum erfolgen, wurde dem dargestellten Modell unter Berücksichtigung des IST-Standes, am Beispiel des Einsatzes auf den Golan-Höhen, ein längerfristiger Peacekeeping-Einsatz zugrunde gelegt.

    Ebenfalls zusätzlich zu den bereits angeführten Auslandseinsätzen sind Kapazitäten zu einem raschen – innerhalb von fünf Tagen – und zeitlich befristeten Einsatz für maximal drei Monate, weiterer spezifischer Kräfte, vorerst in Kompaniestärke einzuplanen. Diese Einsätze können entweder ungeplant/anlassbezogen, z.B. als Spezialeinsatzkräfte bei der Beteiligung an einer Evakuierungsoperation oder als Hilfskräfte im Rahmen des internationalen Katastropheneinsatzes, oder anlassbezogen, dann jedoch innerhalb eines geplanten Rotationszyklus erfolgen.

Ende 2012 wurde bekanntlich ohne nennenswerte strategische Grundlage die "Profilvariante F2" verfügt, bei der das Ambitionsniveau drastisch heruntergefahren wurde. Speziell auch was die Auslandseinsätze betraf:

    Streitkräfteprofil F2 (2012) hat geschrieben:
    Internationale Einsätze

    Bei Auslandseinsätzen im multinationalen Verbund wird den Erfordernissen des Einsatzes in einem mittleren Bedrohungsbild mit einer entsprechenden Fähigkeitsverbesserung im mobilen und stationären Eigenschutz Rechnung getragen, außerdem wird die im Anlass geforderte Durchhaltefähigkeit sichergestellt. Defensive und offensive Verfahren werden auch bei Einsätzen mittlerer Intensität zum Zweck des Kampfes gegen irreguläre, infanteristische Kräfte zu beherrschen sein. In begrenztem Umfang sind für robuste Einsätze, Evakuierungsoperationen (auch in nicht-kooperativem Umfeld)) und humanitäre Operationen rasch verfügbare, mit hohen Individual und Kollektivschutz versehene Kräfte für die Erfüllung spezifischer Aufgaben in einem multinationalen Verbund vorzuhalten.

    Die Logistik für die Auslandseinsätze hat sich an der international geforderten Autarkie von 30 Tagen zu orientieren, wobei davon auszugehen ist, dass die Durchhaltefähigkeit der eingesetzten Kräfte mit Ausnahme von Evakuierungsoperationen immer im multinationalen Verbund sichergestellt wird. Rollen und Arbeitsteilung, Host Nation Support, aber insbesondere Contractor Support to Operations bilden dabei entscheidende Elemente. Die Robustheit der Versorgungselemente hat sich dabei an jener der eingesetzten Kräfte zu orientieren.

    Die Kräfte für Präventions- bzw. Krisennachsorgeaufgaben und Aufgaben der militärischen Beratung und Ausbildungshilfe/Unterstützung (Maßnahmen der kooperativen Sicherheitspolitik) werden aus der bestehenden Organisation anlassbezogen zur Verfügung gestellt.

Und mittlerweile hat man noch einen weiteren Schritt nach unten genommen:

    Teilstrategie Verteidigungspolitik (2014) hat geschrieben:
    Internationales Krisenmanagement

    Das ÖBH soll sich am gesamten Spektrum VN-­ und EU-­mandatierter internationaler Krisenmanagement-­Aufgaben beteiligen und ein spezifisches Profil entwickeln, wobei eine Beitragsleistung am internationalen Krisen-­ und Konfliktmanagement mit lagebedingt mindestens 1.100 Soldaten als Dauerleistung vorzusehen ist. Die qualitative Ambition – ohne Gleichzeitigkeit – umfasst:

      • Bereitstellen wesentlicher Teile einer infanteristischen Bataillonskampfgruppe (inkl. Beiträge für höhere Führungsebenen, auch technologisch hochwertiger Unterstützungselemente) oder von zwei Rahmenverbänden (bis maximal Bataillonsäquivalent) in verschiedenen Einsatzräumen für Stabilisierungsoperationen mittlerer Intensität mit hoher Durchhaltefähigkeit als neue Schwergewichtsaufgabe des ÖBH im Ausland.

      • Bereitstellen wesentlicher Logistikelemente (inkl. San) und ausgewählter Unterstützungselemente/Enabler (auch orientiert an den EU-­Shortfalls) sowie von Spezialeinsatzkräften und Infanterieeinheiten für das gesamte Spektrum möglicher Einsatzaufgaben im internationalen Krisenmanagement, die auch als Beiträge zu multinationalen Gefechtsverbänden eingesetzt werden können.

      • Führung eines Sektors bei laufenden Operationen und Beteiligung an Reservekräften.

      • Leistung von Beiträgen zur Internationalen Humanitären und Katastrophenhilfe sowie Such-­ und Rettungseinsätzen und Evakuierungsoperationen.


Zuletzt geändert von theoderich am 31. Mär 2016, 12:06, insgesamt 10-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Truppenfunksystem "CONRAD"
BeitragVerfasst: 02. Jun 2015, 19:11 

Registriert: 09. Sep 2008, 22:29
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Beschaffung von Funkgeräten: Verteidigungsministerium wird Empfehlungen des Rechnungshofes umsetzen

Zitat:
Der Rechnungshof kritisiert in seinem vorliegenden Bericht den Vorgang der Beschaffung. Das BMLVS nimmt die Empfehlungen des RH zur Kenntnis. Es wird diese, so wie viele Empfehlungen in der Vergangenheit, bei künftigen Beschaffungen berücksichtigen. Unter anderem wurde im Jahr 2010 festgelegt, dass militärische Pflichtenhefte, die die Grundlage jeder Beschaffung sind, ausschließlich auf Basis von bestehenden Planungsdokumenten erstellt werden dürfen.

Zum Vorwurf des RH, wonach die Kosten für den Lebenszyklus der Funkgeräte nicht ausreichend vorgelegen sind, stellt das BMLVS fest, dass zum Zeitpunkt der Beschaffung eine standardisierte Berechnung der Lebenszykluskosten nicht vorhanden war. Erst im Jahr 2011 wurde die Richtlinie "System Lebenskostenmanagement" eingeführt.

Die Lieferfirma musste für die verzögerte Lieferung eine Strafe von 1,55 Millionen Euro zahlen. Der RH kritisierte, dass diese Strafe vom BMLVS mit zusätzlichen Leistungen gegengerechnet wurde. Dazu merkt das BMLVS an, dass für die Gegenrechnung, die im Jahr 2011 erfolgte, das Preisniveau des Jahres 2006 herangezogen wurde. Dadurch hat sich das BMLVS eine Preissteigerung erspart.

Die Kritik des RH, wonach das Truppenfunkgerät CONRAD nicht bei Auslandseinsätzen zur Anwendung kam, obwohl es dafür beschafft wurde, weist das BMLVS insofern zurück, als dass das System bei den Verstärkungskräften sowohl im Kosovo wie auch in Bosnien im Einsatz war.

Zum Vorwurf, wonach während des Beschaffungsvorgangs keine Regeln für Korruptionsbekämpfung zur Verfügung standen, merkt das BMLVS an, dass seit 2009 ein Verhaltenskodex für das BMLVS besteht. Dies wurde vom RH positiv anerkannt.


Telefunken RACOMS, die Firma mit der das BMLVS den Vertrag über CONRAD abgeschlossen hat, ist eine 100 %-ige Tochterfirma von Elbit:



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 Betreff des Beitrags: Re: Truppenfunksystem "CONRAD"
BeitragVerfasst: 31. Mär 2016, 11:39 

Registriert: 09. Sep 2008, 22:29
Beiträge: 20787
Parlamentskorrespondenz Nr. 311 vom 30.03.2016
Bundesheerthemen im Rechnungshofausschuss

Zitat:
Als "Kauf ohne Plan" bezeichnete Gabriela Moser (G) die Beschaffung des Funksystems CONRAD und forderte den Verteidigungsminister dazu auf, künftig Schritte zur Bekämpfung des Lobbyismus zu setzen. Fraktionskollege Werner Kogler erkannte Möglichkeiten für Provisionäre in diesem Geschäft. Für Abgeordnete Waltraud Dietrich (T) war eine österreichische Wertschöpfung nicht nachvollziehbar. Verwunderlich sei auch, dass das Funksystem nicht abhörsicher sei, was der Verteidigungsminister dementierte.

Das Problem der Gegengeschäftsvereinbarungen sei künftig im Wirtschaftsausschuss zu diskutieren, so Elmar Mayer (S), der bei der Beschaffung Anzeichen von Korruption erkannte.


Kommt es nur mir so vor, oder setzen sich die Abgeordneten mit den von ihnen debattierten Berichten nur wenig bis gar nicht auseinander?


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 Betreff des Beitrags: Re: Truppenfunksystem "CONRAD"
BeitragVerfasst: 31. Mär 2016, 14:07 

Registriert: 11. Jun 2005, 18:20
Beiträge: 984
Wohnort: Wien
Sehe ich auch so, vermutlich zu komplex für sie!


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 Betreff des Beitrags: Re: Truppenfunksystem "CONRAD"
BeitragVerfasst: 02. Apr 2016, 06:47 

Registriert: 09. Sep 2008, 22:29
Beiträge: 20787
Dabei ist es ganz einfach, das Grundproblem bei vielen Rüstungsprojekten des BMLVS auszumachen - die Kommunikation zwischen Sektion II und Sektion III bzw. zwischen den einzelnen Abteilungen (In diesem Fall: Militärstrategie - IKT-Planung - Strukturplanung - Direktion für Rüstung und Beschaffung/Informations- und Kommunikationstechnologie-Systeme; Strukturplanung - Amt für Rüstung und Wehrtechnik):

    Beschaffung des Truppenfunksystems CONRAD

    Zitat:
    Planung und Vorbereitung der Beschaffung

      Planungsgrundlagen

      2.1 (1) Das BMLVS plante ab dem Jahr 2000 die Beschaffung eines neuen militärischen Truppenfunksystems für den VHF–Bereich, weil die vorhandenen Truppenfunkgeräte aus den 1970er Jahren veraltet waren und den technologischen Anforderungen, insbesondere im Hinblick auf verschlüsselte Datenübertragung, nicht mehr entsprachen. Als grundlegende Ziele definierte das BMLVS u.a. Eigenschaften wie Ausfallsicherheit, Schutz des zu übertragenden Nachrichteninhalts gegenüber Dritten, Schutz der Nachrichtenübermittlung gegen aktive Störmaßnahmen, Transportfähigkeit und Modularität. Zeitgleich erfolgten im BMI die Planungen für die Ausschreibung eines bundesweiten digitalen Behördenfunksystems für die gemeinsame Kommunikation von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben [Im Juni 2004 hatte das BMI für die Republik Österreich ein bundesweites digitales Bündelfunknetz für die gemeinsame Kommunikation von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben erworben. Die Gesamtausgaben für den Betrieb waren über eine 25–jährige Vertragslaufzeit mit rd. 1,15 Mrd. EUR kalkuliert (vgl. Bericht des RH „Vergabepraxis im BMI mit Schwerpunkt Digitalfunk“, Reihe Bund 2013/2, TZ 110)]. Laut BMLVS sei ein eigenes militärisches Truppenfunksystem erforderlich gewesen, weil das Behördenfunksystem aufgrund der ortsfesten Infrastruktur und somit der eingeschränkten Mobilität, der Reichweite sowie der nicht ausreichenden Verschlüsselungssicherheit der Funkdaten nicht den Anforderungen an ein militärisches Truppenfunksystem entsprochen habe.

      (2) Planerische Grundlage für die Beschaffung des neuen militärischen Truppenfunksystems CONRAD (Combat Net Radio) war das Militärische Pflichtenheft mit einer Darstellung der technischen und logistischen Anforderungen an das System. Der endgültigen Version des Pflichtenhefts aus 2005 lagen drei Planungsdokumente zugrunde, wovon zwei Dokumente [„Netzwerkzentrierte operative Verfahren Austria“, „IKT–System des ÖBH“] während der Gebarungsüberprüfung durch den RH (März 2014) und somit seit mehr als acht Jahren noch als Entwurf vorlagen. Das dritte Dokument [„Führungssystem des BH“] wurde zwar bereits im Jahr 2000 verfügt, beinhaltete aber lediglich eine allgemein gehaltene Darstellung der erforderlichen Fähigkeiten an die Führungsunterstützung im Bundesheer. Aus diesem Dokument war ein konkreter Bedarf an einem militärischen Truppenfunksystem in der beschafften Ausprägung nicht ableitbar.

      (3) Ein Gesamtkonzept für die Funkgeräteausstattung im Bundesheer lag vor der Beschaffung des militärischen Truppenfunksystems CONRAD nicht vor und fehlte während der Gebarungsüberprüfung durch den RH weiterhin. Gemäß einer Planungsunterlage des BMLVS vom Mai 2013 verfügte das Bundesheer über eine Vielfalt an unterschiedlichen Funkgerätesystemen (z.B. für den VHF–Bereich: CONRAD, Datenfunk, Multibandfunk, Antennensysteme, Funkwechselaufbauten usw.), deren Bedarf mangels Gesamtkonzept aber nicht transparent ableitbar war.

      2.2 Der RH beanstandete, dass ein Gesamtkonzept für die Funkgeräteausstattung im Bundesheer fehlte. Er verwies in diesem Zusammenhang auch kritisch auf die bestehende Vielfalt an unterschiedlichen Funkgerätesystemen im Bundesheer, deren Bedarf mangels Gesamtkonzept nicht transparent ableitbar war.

      Weiters bemängelte der RH, dass das Militärische Pflichtenheft für die Beschaffung des Truppenfunksystems CONRAD auf Planungsgrundlagen basierte, die erst als Entwurf vorlagen bzw. aus denen der konkrete Bedarf an dem System in der beschafften Ausprägung nicht ableitbar war. Dessen ungeachtet führte das BMLVS die Beschaffung des Truppenfunksystems CONRAD mit einem Gebarungsvolumen von rd. 86 Mio. EUR durch (vgl. TZ 18).

      Der RH empfahl daher dem BMLVS, ein Gesamtkonzept für die Funkgeräteausstattung im Bundesheer zu erstellen.

      Darüber hinaus empfahl er dem BMLVS, Militärische Pflichtenhefte für Rüstungssysteme ausschließlich auf Basis verfügter Planungsdokumente mit konkreter Bedarfsableitung zu erstellen.

      2.3 Das BMLVS teilte in seiner Stellungnahme mit, dass aufgrund der Vielfalt und Komplexität von „Funkgeräten“ (Radar, Zutrittssysteme, WLAN etc.) einzelne Gerätekonzepte in der Konzeptstruktur nicht vorgesehen seien. Der Fokus der Konzepte liege auf der Sicherstellung von Fähigkeiten (z.B. Führungs– oder Informationsbedarf). Die im Jahr 2010 überarbeiteten Planungs– und Beschaffungsdokumente würden vorsehen, Militärische Pflichtenhefte für Rüstungssysteme ausschließlich auf Basis verfügter Planungsdokumente zu erstellen.

      2.4 Der RH betonte, dass die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der Vielfalt an unterschiedlichen Funkgerätesystemen im Bundesheer und der konkrete Bedarf am System CONRAD in der beschafften Ausprägung aus den vorliegenden Unterlagen nicht ableitbar waren.

      Der RH verblieb daher bei seiner Empfehlung, ein Gesamtkonzept für die Funkgeräteausstattung im Bundesheer zu erstellen.



    Ausgewählte Beschaffungsvorgänge im BMLVS

    Zitat:
    Umsetzung der planerischen Vorgaben

      11.1 Der Materialstrukturplan legt die Art und Menge der in den einzelnen militärischen Verbänden erforderlichen Geräte und Rüstungsgüter fest. Entsprechend dem Materialstrukturplan sollten mittelfristig 317 Fahrzeuge der Gerätegruppe „LKW bis 1,5 t“ [Gerätegruppe „LKW bis 1,5 t, geländegängig, handelsüblich“] beschafft werden.

      Nach Durchführung der Beschaffung ordnete das BMLVS die 102 geländegängigen handelsüblichen Kraftfahrzeuge einer neuen Gerätegruppe zu („PKW geländegängig, handelsüblich“). In der Gerätegruppe „LKW bis 1,5 t“ blieb das mittelfristige Struktursoll mit 310 Stück fast unverändert.

      Die beschafften 102 handelsüblichen geländegängigen Kraftfahrzeuge erfüllten nicht die planerischen Vorgaben im Materialstrukturplan, nämlich die Auffüllung der Gerätegruppe „LKW bis 1,5 t“.

      11.2 Der RH empfahl, nur solche Fahrzeuge zu beschaffen, die auch den Vorgaben der Materialstrukturplanung entsprechen.

      11.3 Das BMLVS nahm die Empfehlung des RH zur Kenntnis. Es sei bemüht, alle Bedürfnisse mit einer Priorität zu belegen. Weiters verwies das BMLVS auf das bereits erwähnte Projekt „Optimierung von Vergabeverfahren für Beschaffungen und Verhaltensregeln im Vergabebereich“.

    Zitat:
    Schnittstelle Planung — Bereitstellung

      18.1 (1) Die Übernahme der Forderungen des Militärischen Pflichtenheftes in die Technische Leistungsbeschreibung bildete die Schnittstelle zwischen den organisatorisch getrennten Bereichen Planung und Bereitstellung.

      (2) Das BMLVS arbeitete unmittelbar vor Angebotseinholung zeitgleich an einer neuen Version des Militärischen Pflichtenheftes für die Basisfahrzeuge, am Militärischen Pflichtenheft für die Waffenstation und an der Überarbeitung der Technischen Leistungsbeschreibung (für die Basisfahrzeuge und die Waffenstation).

      (3) Die Forderungen in der Technischen Leistungsbeschreibung folgten nicht systematisch der Gliederung in den Militärischen Pflichtenheften, so dass ein Vergleich der Leistungsanforderungen der Dokumente nur erschwert möglich war.

      (4) In welcher Phase der Planung und Bereitstellung die für die Auswahl des Bestbieters wesentliche Gewichtung der Militärischen Forderungen erfolgen sollte, war nicht geregelt. Im Gegensatz zu den Militärischen Pflichtenheften für die Basisfahrzeuge und die Waffenstation waren im Entwurf des Pflichtenhefts für die Beobachtungs– und Aufklärungsausrüstung nicht nur die militärischen Forderungen, sondern auch bereits ihre Gewichtung festgelegt.

      18.2 Der RH empfahl dem BMLVS, folgende Regelungen zur klaren Abgrenzung zwischen Planungs– und Bereitstellungsphase zu treffen:

        — Die Forderungen des Militärischen Pflichtenheftes wären zeitlich vor den davon abgeleiteten Forderungen der Technischen Leistungsbeschreibung zu erarbeiten.

        — Die Struktur der Technischen Leistungsbeschreibung sollte an das Militärische Pflichtenheft angepasst werden, um eine Kontrolle der vollständigen Übernahme der militärischen Forderungen des zugrunde liegenden Planungsdokuments zu erleichtern.

        — Es wäre zu regeln, in welcher Phase (Planung oder Bereitstellung) die Gewichtung der militärischen Forderungen zu erfolgen hat, um eine einheitliche Vorgangsweise sicherzustellen.

      18.3 Gemäß seiner Stellungnahme sei das BMLVS bestrebt, sein Dokumentationswesen zu verbessern. Es verwies erneut auf das Projekt „Optimierung von Vergabeverfahren für Beschaffungen und Verhaltensregeln im Vergabebereich“.



Oder es handelt sich einfach um Schlamperei. Aber Hauptsache die "fachkundigen Abgeordneten" ("Fachkundig" - ein guter Witz!) wittern in ihrem simplen Weltbild hinter jeder Ecke Korruption.

    Ausschüsse des Nationalrates

    Zitat:
    Ein Prinzip des parlamentarischen Verfahrens ist, dass einem Beschluss über einen Gegenstand im Plenum des Nationalrates eine Vorberatung in einem Ausschuss vorangeht. Das soll sicherstellen, dass fachkundige Abgeordnete in einem kleinen Kreis über Sachfragen diskutieren können. Zu den Beratungen können aber auch außenstehende Experten und Expertinnen eingeladen werden.

    Die endgültige Entscheidung bleibt dem Plenum des Nationalrates vorbehalten, es weicht jedoch nur selten vom Ergebnis der Ausschussberatungen ab.



Zuletzt geändert von theoderich am 05. Apr 2016, 15:26, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Truppenfunksystem "CONRAD"
BeitragVerfasst: 05. Apr 2016, 12:37 

Registriert: 09. Sep 2008, 22:29
Beiträge: 20787
BMLVS GZ: E90015/5/0-KA/2016 Einholung von Teilnahmeanträgen System FELD-USV

Zitat:
II.1.5) Kurze Beschreibung des Auftrag oder Beschaffungsvorhabens

Mit dem System Feld-USV wird eine Verfügbarmachung einer universell nutzbaren militärischen unterbrechungsfreien Stromversorgung der IKT-Geräte im Felde eingefordert.

Zitat:
II.2.1) Gesamtmenge bzw. -umfang (einschließlich aller Lose und Optionen, falls zutreffend)

Das Österr. Bundesheer beabsichtigt 315 Stück eines universell nutzbaren Feld-USV-Systems der Leistungsklasse 2 zu beschaffen.



MUTTENTHALER Gerhard: USV-Klassifizierung nach IEC 62040-3

Zitat:
3.3. IEC 62040-3, Stufe 1 Klasse 2 und 3

Die Klasse 2 der Stufe 1 nach IEC-Norm hieß früher Single-Conversion, Delta-Conversion, Line-Interactive oder aktiver Mitlaufbetrieb. Sie schützt gegen die ersten fünf der genannten Spannungsprobleme (Stromausfall, Spannungseinbrüche, Spannungsstöße, Unter- und Überspannung). Für kleine Netzwerksysteme in Büroumgebungen, einzelne Server und Workstations, kleine bis mittlere Telefonanlagen, Laborsysteme etc. ist die Klasse VI oft die passende Wahl. Entsprechende Geräte sind in der Regel deutlich preisgünstiger als VFI-Geräte. Noch günstiger sind USVs der Klasse 3 nach 62040-3-Norm. VFD kennen Anwender noch unter den Bezeichnungen Offline, Stand-by, Bereitschaftsbetrieb oder passiver Mitlaufbetrieb. Allerdings schützen solche Geräte nur gegen Stromausfall, Spannungseinbrüche und Spannungsstösse. Typische Einsatzbereiche sind Einzelarbeitsplätze in einer Büroumgebung, kleine Telefonanlagen, Heimarbeitsplätze und Ähnliches.



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 Betreff des Beitrags: Re: Truppenfunksystem "CONRAD"
BeitragVerfasst: 06. Apr 2016, 16:13 

Registriert: 09. Sep 2008, 22:29
Beiträge: 20787
Österreich-Wien: Unterbrechungsfreie Stromversorgung

2016/S 067-117034

Auftragsbekanntmachung

Lieferauftrag




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 Betreff des Beitrags: Re: Truppenfunksystem "CONRAD"
BeitragVerfasst: 20. Mai 2016, 14:48 

Registriert: 09. Sep 2008, 22:29
Beiträge: 20787
Parlamentskorrespondenz Nr. 537 vom 19.05.2016
Förderung der Alpinen Ski WM in Schladming bleibt in der Kritik

Zitat:
Das Pilotprojekt e-Medikation, die Beschaffung des Truppenfunkdienstes CONRAD, die Alpine Ski Weltmeisterschaft 2013 in Schladming und Wohnungsverkäufe des Integrationsfonds standen im Mittelpunkt des ersten Diskussionsblocks im Nationalrat über Prüfberichte des Rechnungshofs.

Zitat:
Die zur Diskussion stehenden Prüfberichte des Rechnungshofs ( III-53 d.B., III-179 d.B., III-219 d.B.) wurden vom Nationalrat einstimmig zur Kenntnis genommen.

Zitat:
"Pleiten, Pech und Pannen" bei Beschaffung von Truppenfunk CONRAD

Scharfe Kritik an der Beschaffung des Truppenfunksystems CONRAD durch das Bundesheer übten Norbert Sieber (V) und Christian Lausch (F). Der Bericht des Rechnungshofs zeige eine einzige Aneinanderreihung von Pleiten, Pech und Pannen auf, hielt Sieber fest. Das Verteidigungsministerium habe keinen Überblick über den Gesamtaufwand des Funksystems gehabt, auch habe ein Gesamtkonzept gefehlt. Lausch kritisierte in diesem Zusammenhang die Verschwendung von Steuergeld und äußerte die Hoffnung, dass man aus den aufgezeigten Missständen für künftige Beschaffungen etwas gelernt hat.



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 Betreff des Beitrags: Re: Truppenfunksystem "CONRAD"
BeitragVerfasst: 06. Okt 2016, 23:24 

Registriert: 09. Sep 2008, 22:29
Beiträge: 20787
Netzgeräte COMROD Compact 1200

Zitat:
Verfahren im Unterschwellenbereich

Zitat:
Direktvergabe mit vorheriger Bekanntmachung

Zitat:
II.1.6) Laufzeit

    07/10/2016 bis 04/11/2016 (29 Tage)


II.1.7) Angaben zur Leistungsfrist

    1. Quartal 2017


Bild

Zitat:
Product description

    ComPact series

Applications

    Vehicles, shelters

Comments

    Next generation compact power supplies.

    Half width (8.66"), 2U size

    28V up to 80A



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 Betreff des Beitrags: Re: Truppenfunksystem "CONRAD"
BeitragVerfasst: 01. Jun 2017, 15:04 

Registriert: 09. Sep 2008, 22:29
Beiträge: 20787
Bild

Ist diese "abgetrennte" Antenne üblich?


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 Betreff des Beitrags: Re: Truppenfunksystem "CONRAD"
BeitragVerfasst: 25. Aug 2017, 17:07 

Registriert: 09. Sep 2008, 22:29
Beiträge: 20787
Österreich-Wien: Unterbrechungsfreie Stromversorgung

2017/S 161-333305

Bekanntmachung vergebener Aufträge in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit

Lieferauftrag


Zitat:
II.1.4) Kurze Beschreibung des Auftrags oder Beschaffungsvorhabens:

Mit dem System Feld-USV wird eine Verfügbarmachung einer universell nutzbaren militärischen unterbrechungsfreien Stromversorgung der IKT-Geräte im Felde eingefordert.

Zitat:
V.1) Tag der Zuschlagsentscheidung:

    30.6.2017

V.2) Angaben zu den Angeboten

    Anzahl der eingegangenen Angebote: 4

    Anzahl der elektronisch eingegangenen Angebote: 0

V.3) Name und Anschrift des Wirtschaftsteilnehmers, zu dessen Gunsten der Zuschlag erteilt wurde

    KAPSCH BusinessCom AG
    Wienerbergstraße 53
    1211 Wien
    Österreich



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