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Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Landesverteidigung, Einsätze & Übungen, Sicherheitspolitik, Organisation, ...
theoderich
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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von theoderich » 16. Feb 2010, 13:27

Die Frage ist: Was definiert man als "modern"?

Meine Meinung:

    StG 77 A1/A2

    Duellsimulatoren

    MSTAR (sofern es überhaupt noch im Dienst steht)

    Truppenfunksystem "Conrad"

    Thales RAC 3D

    Selenia MRCS 403

    Oerlikon Contraves "Skyguard"

    "Eurofighter" EF-2000

    Sikorsky S70 "Black Hawk"

    Krauss Maffei Wegmann "Dingo" 2 ATF / ATF NF / ATF AC

    ASCOD "Ulan"

    "Pandur"

    M-109 A5Ö

    Mercedes Benz UNIMOG U4000

    Nissan "Pathfinder"

    VW "Touareg"

    MAN 12.240

    MAN 35.440 8x6 ÖBH

    MAN 38.440 8x8 ÖBH gepanzert

    Teile der Pionierausrüstung

    Faltstraßengerät

    Pionierbrücke 2000

    Matra "Mistral"

    Iveco LMV

    EAFLS (Erst nach der geplanten Modifikation zu EAFLS II für die Aufklärungstruppe noch als "modern" zu bezeichnen.)

    Spezialausrüstung für Jagdkommando (FN P90, etc.)

    KAz 03

    NSFG 87

    UNSB "Lucie"

    WBG "Sophie"

Alles andere ist mehr oder weniger jetzt schon oder in absehbarer Zeit veraltet. Und das trifft für die Schützen- und Mannschaftstransportpanzer, die Jagd- und die Pionierpanzer, Lkw-Flotte, Hubschrauber, Jettrainer, Transportflugzeuge und auch bald für das oben angeführte EAFLS zu, sollte es nicht modernisiert werden. (Seit knapp drei Jahren wird von Seiten der ESL und des Bundesheeres angeblich an der Modernisierung gearbeitet - http://www.bmlv.gv.at/archiv/a2007/kombatt072/artikel.php?id=2026).

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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von theoderich » 16. Feb 2010, 15:55

Opposition läuft Sturm gegen Darabos

Auch das BZÖ kritisierte den Assistenzeinsatz als Vergeudung von Ressourcen und Personal, die Soldaten würden hierfür "missbraucht". Gefordert wurde in diesem Zusammenhang einmal mehr eine flexible, aus Exekutive und Militärpolizei bestehende Grenzschutztruppe.

Generell sprach sich BZÖ-Vizeklubobmann Herbert Scheibner auch dafür aus, ein Berufsheer aus zeitverpflichteten Soldaten und eine freiwillige Miliz zu schaffen: "Aus unserer Sicht wäre es auch notwendig, vom System der allgemeinen Wehrpflicht abzugehen und ein kleines, aber gut ausgerüstetes und gut ausgebildetes Freiwilligenheer aus einer Berufsheerkomponente und einer Freiwilligenmiliz zu bilden", so Scheibner.


"Hoch an der Zeit"
Der Vorsitzende des parlamentarischen Verteidigungsausschusses, Peter Fichtenbauer (FPÖ), bekundete unterdessen seine Bereitschaft, sich der Causa in einer Sondersitzung des Gremiums anzunehmen. Er zeigte sich allerdings skeptisch, ob ein Termin vor der vorgesehenen Sitzung am 18. März mit Darabos zustande kommen kann.

Er sei jedenfalls bereit, den Ausschuss früher einzuberufen, falls darüber Konsens in den Fraktionen herrsche, so Fichtenbauer in einer Aussendung. Es sei ohnehin hoch an der Zeit, dass Darabos dem Parlament Rede und Antwort stehe. Die anderen Parteien seien eingeladen, Vorschläge für einen früheren Termin bekanntzugeben.



Die Schnapsideen der Opposition sind etwa ebenso ernstzunehmen, wie die momentane "Verteidigungs"politik. Wo in Europa gibt es bitte schön ein funktionierendes "Freiwilligenheer"? Die Allgemeine Wehrpflicht ist gang und gäbe in Europa, der einzige Unterschied ist, dass Österreich eine zu kurze Dienstzeit hat (Nur Kroatien und Serbien haben einen GWD von 6 Monaten.). Und Berufsarmeen gibt meist nur in Ländern, die sich das auch leisten können, wie Frankreich, Italien, die Niederlande oder Großbritannien (Ausnahmen: Lettland, Luxemurg - MobStärke von nur 900 Soldaten, Montenegro, Portugal - um mindestens 500 Mio. Euro höhere Verteidigungsausgaben als Österreich, ). In Irland wäre es zwar auch ein Berufsheer, dieses ist aber auf eine so kleine Zahl an Soldaten zusammengestutzt, dass es für Österreich auf gar keinen Fall in Frage kommt.

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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von theoderich » 16. Feb 2010, 22:46

Ich habe gestern die Diskussion in der Sendung "Im Zentrum" zum Thema der angeblichen Korruption um Alfons Mensdorff-Pouilly gesehen - einzige Lichtblicke: Martin Rosenkranz und Gerald Karner. Und heute zum Vergleich auf Puls4: "Talk of Town" - "Wie kaputt ist unser Bundesheer?". Ich muss schon sagen - eine so unparteiliche und gesittete Diskussion habe ich im ORF noch NIE erlebt: Vor allem waren in erster Linie Heeresbefürworter und gewissermaßen Insider geladen, u.a. Dr. Eduard Paulus, Conrad Seidl und Gerald Karner. Dass sich "Außenstehende" über das Telefon in die Diskussion einklinken können und ihre Meinung dazu kundtun, wäre beim ORF undenkbar. Und der Moderator ließ die Diskussionsteilnehmer auch ausreden und fiel ihnen nicht dauernd ins Wort, wie es Ingrid Thurnher dauernd macht (Die Diskussionskultur beim ORF ist so unbeschreiblich tief.). Dem Sender ist auf alle Fälle zu gratulieren!

Das Heer im Schussfeld


"Schrottplatz Bundesheer": Darabos unter Beschuss


Zwischen militärischem Schutz und Schrott (Den Kommentar eines Users, ob dieser Artikel von der SPÖ bezahlt worden wäre, kann ich allerdings nachvollziehen!)


Verheerende Politik

Zuletzt geändert von theoderich am 17. Feb 2010, 10:09, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von mechtruppe » 17. Feb 2010, 07:52

Zur Frage was ist modern?

theoderich, bei deiner Auflistung fehlt mir der KPz Leopard. Auch wenn er schon einige Dienstjahre auf den
Rücken hat, zählt er international zu den modernsten Kampfpanzern.
Derzeit zählen folgende KPz zu den modernsten:
M1 Abrams (A1-A2SEP)
Challenger 2
Leopard 2 (A4-A6)
T-80(90)
Leclerc
Ariete
Merkava (III-IV)
Sonst ist deine Auflistung meiner Meinung nach korrekt.

Weinviertler
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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von Weinviertler » 17. Feb 2010, 09:33

Hallo Theoderich!

Keine Armee der Welt kann sich den Luxus leisten, sich die Frage zu stellen: "Was ist modern?" Jede Armee stellt sich zwei Fragen: 1) Was ist bedrohungsgerecht? - eine Frage mit hochprozentigem Verwirklichungspotential nur für Armeen mit Topbudgets, wobei sich auch solche den neuesten Standard nur in Teilbereichen leisten können und 2) Was ist verwendungsfähig? - eine Frage, die alle Armeen ständig beschäftigt und bei der es darum geht, unter optimaler Ausnutzung des jeweiligen Budgets mit Neuanschaffungen, Gebrauchtanschaffungen, Kampfwertsteigerungen und Modernisierungen die Bedürfnisse der Truppe möglichst gut zu erfüllen.
Bei Militärfahrzeugen allgemein und bei Panzerfahrzeugen speziell gilt, daß solche Fahrzeuge im Vergleich zu zivilen Fahrzeugen viel weniger gefahren werden und speziell bei Panzerfahrzeugen die Wanne bei regelmässiger Überarbeitung abgesehen vom optimalen Schutzwert fast ewig leben kann. Die Amerikaner arbeiten z. B. ihre M 1 regelmäßßig auf und wollen den Panzer sicher noch bis 2040 behalten - Laufzeit dann 60 Jahre! Auch den M 113 werden wir dort noch lange sehen - übrigens im Vergleich zu unserer "Grenadierhutschen" Saurer-Schützenpanzer eigentlich nur ein fahrbarer "Wassertank" - der Ausdruck stammt aus der deutschen Bundeswehr. Die ganze leichte Panzerfamilie des Bundesheeres - für Österreich ja maßgeschneidert - werden wir mit Überarbeitungs- und Modernisierungsschritten noch lange sehen - beim Saurer-Schützenpanzer und beim Kurassier schon passiert! Beim Kürassier gilt überhaupt: Es gibt Staaten, die einen solchen leichten, lufttransportfähigen Panzer suchen! Da bräuchte man sich nur von Seiten der offiziellen Stellen zu bemühen! Deshalb mach ich mir da gar keine Sorgen, wenn diese Fahrzeuge hauptsächlich nur in Österreich laufen, denn da gehören sie ja hin

Liebe Grüsse

Euer Weinviertler

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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von theoderich » 17. Feb 2010, 09:38

Falls sich jemand fragt, warum ich das EAFLS so in meine Liste gestellt habe:

theoderich hat geschrieben:EAFLS (Erst nach der geplanten Modifikation zu EAFLS II für die Aufklärungstruppe noch als "modern" zu bezeichnen.)


Das System an sich ist nicht schlecht, nur die Hardware (Feuerleitcomputer, ) ist laut einem "Truppendienst"-Artikel von 2006 inzwischen völlig veraltet:

Mit den begleitenden Systemen CATTS, BTS und RWSS ist das Elektronische Artilleriefeuerleitsystem ein ganzheitliches, hocheffizientes Waffeneinsatzsystem, dessen Bekanntheitsgrad weit über die Staatsgrenzen Österreichs hinausgeht. Europäische, asiatische und arabische Länder haben bereits ihr Interesse an der Beschaffung dieses Gesamtpaketes bekundet.

Eine weitere Herausforderung für die Zukunft stellt sicherlich die Zusammenlegung der Artillerie mit den Aufklärungskräften dar.

Moderne Beobachtungsmittel, wie zum Beispiel Radargeräte, Wärmebildgeräte, Laserentfernungsmesser sowie andere Arten von Navigationssystemen sind dann in das Elektronische Artilleriefeuerleitsystem zu integrieren.

Die Zukunft des EAFLS liegt aber auch in der laufenden Modernisierung der Geräte, insbesondere des Beobachtergerätes COMPACT (Observer and Commander Device), dessen Hardware nun schon seit mehr als 18 Jahren unverändert ist.



Schaffung eines Nachfolgesystems ("EAFLS II")
Die Ablöse der alten analogen Truppenfunkgeräte durch neue digitale, störsichere Geräte (Projekt CONRAD), das Ende der Nutzungsdauer der EAFLS-Hardware-Komponenten und die Forderungen der Artillerie nach Funktionalität, die über eine Basisversion hinausgehen (digitale Karte usw.), erfordern die Planung eines Ablöse-/Nachfolgesystems EAFLS II. Das bewährte Systemkonzept und die Kernfunktionalitäten Feuerleitung und Feuerkampf des EAFLS sind unter Verwendung neuer Informationstechnik-Hardware zusammen mit der neuen digitalen, störsicheren Kommunikationstechnik (Truppenfunksystem) nach dem Vorbild anderer Armeen auf die netzwerkorientierte Operationsführung zu transformieren. Die Zusammenführung mit dem Führungsinformationssystem PHÖNIX und mit der Gefechtsstandausrüstung für die Brigade und das Bataillon sind ebenso in die Ablöseplanung einzubeziehen, wie die neuen Einsatzszenarien (PSO etc.). Der zeitliche Rahmen ist durch internationale Zielvereinbarungen (z. B. PARP) weitestgehend vorgegeben.

Zur Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen ist jedenfalls ein einvernehmliches, gemeinsames Vorgehen von Planung, Anwendung und Systemtechnik erforderlich. Nur dadurch kann ein Übertritt der Artillerie in das Informationszeitalter mit "Netzzentrierter Operationsführung" erfolgen



Wirkungsforderungen der taktischen Kommandanten oder die derzeit definierten Feuerbegriffe müssen unter Umständen verändert werden. Parameter wie neue Munitionssorten etc. werden eine Anpassung des Elektronischen Artilleriefeuerleitsystems (EAFLS) erfordern. Das EAFLS als Waffeneinsatzsystem "lebt" und ist den geänderten Bedingungen (z. B. Einführung neuer Munitionssorten) stets anzupassen. Daraus folgen in Zukunft auch neue Munitionsmengentabellen.



Erste Tests für die neuen Artillerieaufklärungsbataillone (23. April 2007)


Inwieweit diese Planungen und Arbeiten fortgeschritten sind, ist natürlich fraglich. Es hat seit knapp drei Jahren keine Informationen über ein neues EAFLS mehr gegeben.

P.S.: @ Weinviertler: Der Spz A1 und seine Abkömmlinge werden nur noch durch Kannibalisierung am Leben erhalten. Das geht vielleicht noch ein paar Jahre gut, aber irgendwann wird es 1.) unwirtschaftlich und 2.) wird es keine Panzer mehr geben, die als Ersatzteillager dienen können. Deswegen wäre es sinnvoll, möglichst vor diesem Zeitpunkt einen angemessenen Ersatz zu beschaffen - der "Ulan" war der Ersatz für die ältesten Spz A1 (damals ~ 40 Jahre alt). Theoretisch müsste man also in der nächsten Zeit bereits die nächste größere Beschaffung von Schützenpanzern, Radpanzern oder Allschutzfahrzeugen durchführen, um weitere Spz A1, im Wege einer "schleichenden Ablöse" ausmustern zu können.

Die Produktion dieser Version des Schützenpanzers A1 wurde 1963 eingestellt und durch die Ausführung 4K3FA-G2 abgelöst. Sie erhielt diese Bezeichnung aber erst 1968. Diese Version liegt sämtlichen Spezialversionen des österreichischen Bundesheeres zugrunde. Aus diesem Panzerfahrzeug wurden Sanitätspanzer, Artilleriebeobachtungspanzer, Löschpanzer, Führungspanzer und Luftabwehrpanzer entwickelt, letztere wurde aber nicht eingeführt.


Trotz aller Modifikationen steht der Saurer am Anfang des 21. Jahrhunderts am Ende seiner Kapazitäten. Die Überholung der Motoren und Getriebe würde Unsummen an Geld verschwenden, denn das Gerät kann sich heute, 42 Jahre nach der Indienststellung, nicht mehr auf dem Gefechtsfeld behaupten. Der Nachfolger des SPz A1 ist der SPz Ulan (ASCOD) der 2002 ausgeliefert sein sollte. Die Spezialversionen werden aber noch weit ins 21. Jahrhundert verwendet werden. Die ausgemusterten Schützenpanzer 4KF4A-G1 und 4K3FA-G2 werden der Ersatzteilbeschaffung zugeführt, d.h. die Panzer werden nach und nach demontiert und den noch aktiven Einheiten zugeführt. Und somit ist eine lange Verfügbarkeit an Ersatzteilen gewährleistet



P.P.S.: Es war ursprünglich (2005) geplant bis zu 800 Radpanzer und Allschutzfahrzeuge zu beschaffen!


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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von theoderich » 17. Feb 2010, 16:09

Bundesheer: Generalstabschef reagiert auf Vorwürfe

Die Militärführung versucht das Bundesheer aus den täglichen Negativ-Schlagzeilen zu bekommen. Generalstabschef Edmund Entacher meldete sich heute mit einer ausführlichen Stellungnahme über "Dichtung und Wahrheit über das österreichische Bundesheer" zu Wort.

Entacher ersuchte darin "alle Beteiligten", "zur Sachlichkeit zurückzukehren", und kritisierte die "vielen unwahren Behauptungen und irreführenden Darstellungen" über den Zustand des Bundesheeres.

"Kein Schrottplatz"
"Das Heer ist kein Schrottplatz. Diese Darstellung ist falsch", so der Generalstabschef in der Aussendung, in der das Verteidigungsministerium "exemplarisch Dichtung und Wahrheit gegenüberstellt".

Zur Kritik an desolaten Kasernen heißt es: Das Bundesheer verwalte 429 Liegenschaften, davon 69 Kasernen. "Natürlich gibt es bei dieser Anzahl an Liegenschaften permanenten Sanierungsbedarf. Es gibt Kasernen, die renovierungsbedürftig sind, es gibt aber ebenso Kasernen, die generalsaniert sind."

Falsch sei auch die Behauptung, wonach 80 Prozent der Panzer nicht einsatzbereit seien. Im Jänner 2010 sei die Einsatzbereitschaft (volle Feldverwendbarkeit) bei den Ulan-Panzern und Panzerhaubitzen bei über 70 Prozent gelegen -"das ist bei so hochkomplexen Waffensystemen auch international ein Spitzenwert".

Luftraumüberwachung "perfekt erfüllt"
Auch bei den Eurofightern wäre es "militärisch und betriebswirtschaftlich nicht zweckmäßig, ständig alle 15 Eurofighter einsatzbereit zu halten". Für den Auftrag der Luftraumüberwachung, "der perfekt erfüllt wird", seien eine Rotte - diese bestehe aus zwei Flugzeugen - und ein Ersatzflugzeug ständig einsatzbereit.


Quelle: ORF.at

Ich sehe diese dauernden Reaktionen des Generalstabes zwiespältig: Es ist ja allgemein bekannt, dass angeblich die ganze Spitze des Bundesheeres einen Brief an Minister Darabos geschickt hat, in dem derartige Folgen in Zusammenhang mit der Einsatzbereitschaft, der Bundesheerreform, etc. aufgezeigt worden sind. Andererseits muss auch der Generalstabchef irgendwie versuchen, die Vorwürfe, die ja in der Regel kaum an die Politik, sondern an "das Bundesheer" gerichtet sind, abzuwehren. Nur wird man das mit Appeasement (und auch Selbstverleugnung) nicht schaffen, wenn es in den eigenen Reihen schon derartig rumort und brodelt. Mit einer solchen Kommunikationspolitik schießt sich das Heer nur ins eigene Knie.
Derartige Reaktionen des Generalstabs in Zusammenhang mit Gesprächsverweigerung (Die ÖOG besteht übrigens mehrheitlich aus Milizangehörigen.) sind mehr als kontraproduktiv und schaden hauptsächlich dem Ansehen des Bundesheeres in der Öffentlichkeit. Wenn die "gewöhnlichen" Soldaten möglicherweise Missstände aufzeigen und die Brigadekommandanten und Generäle rücken gleich darauf aus um alles zu dementieren und Gesprächsverweigerung zu praktizieren, schadet das dem Bundesheer massiv. Schon allein, weil es der Bevölkerung das Bild vermittelt, das wäre ein zerstrittener Haufen, der nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Durch die Berichterstattung in den Medien wird das noch verstärkt.
Warum setzen sich ÖOG und Generalstab nicht einfach zusammen, diskutieren die Probleme auf sachliche Weise und erarbeiten GEMEINSAM Lösungsansätze? Scheitert das alles am "Nichtumsetzungswillen" der Politik?

Dichtung und Wahrheit über das Bundesheer


Bundesheer: Darabos bleibt bis Freitag in Kanada

Der Wunsch der Opposition nach einer Aussprache mit Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) im parlamentarischen Landesverteidigungsausschusses noch diese Woche wird wohl unerfüllt bleiben. Der Sportminister kommt erst am Freitag aus seinem Olympia-Besuch in Kanada nach Österreich zurück.



Und die dauernden Hinweise auf die "moderne Ausrüstung" des Heeres, die in den letzten Jahren beschafft worden ist, sind alles andere als glaubwürdig. Es bestreitet, ja niemand, dass es modernes Gerät beim Bundesheer gibt! Das eigentliche Problem ist, dass dieses Gerät fast ausnahmslos in zu geringer Stückzahl oder überhaupt nicht vorhanden ist. Der Großteil der Miliz verfügt im Moment nur über Ausrüstung, die mindestens doppelt so alt ist, wie die Rekruten, denen sie zugewiesen wird. Der einzige Lichtblick sind die Hakenladesysteme beim Versorgungsbataillon und die begrenzte Verfügbarkeit des KAz 03:

Moderne Ausrüstung beim Panzerstabsbataillon 4


theoderich
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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von theoderich » 18. Feb 2010, 11:27

Darabos startet Abwehr: "Bin erst drei Jahre Minister

Er gestand Probleme ein, wies aber die Verantwortung von sich. Es sei richtig, dass das Bundesheer im Infrastrukturbereich Probleme habe. Aber "es wird ja niemand glauben, dass ich verantwortlich bin für den Zustand der Kasernen, ich bin drei Jahre Minister", sagte Darabos.


Für den Zustand der Kasernen hat ihn auch niemand verantwortlich gemacht (außer vielleicht die Opposition).

Auch die Eurofighter habe er nicht gekauft, so der Minister. Dass die Abfangjäger nicht einsatzfähig seien, bezeichnete er schlicht als "völligen Schwachsinn". "Ich war ja einer jener Politiker, die immer sehr skeptisch diesem Deal gegenüber gestanden sind. Wir haben diesen Deal dann so abgehandelt, dass wir auf 15 reduziert haben und wir sind in der Lage, den österreichischen Luftraum mit den Eurofightern zu überwachen und das ist das Ziel des Eurofighters."

Berichte, wonach nur fünf der 15 Flieger in der Luft seien, weist Darabos als eine "an den Haaren herbeigezogene und hanebüchene" Diskussion, "die auch jeglicher realer Grundlage entbehrt" zurück. "Es gibt keine Armee der Welt, wo alle Flugzeuge gleichzeitig in der Luft sein müssen oder sein können", sagte der in den letzten Tagen stark unter Beschuss geratene Minister.


    Trotzdem lassen sich diese Probleme und auch die politische Verantwortung dafür durch ein amtliches Dokument nachweisen: Den RH-Bericht zum Vergleich mit der Eurofighter GmbH, in dem eine baldige verringerte Einsatzbereitschaft einwandfrei belegt ist. Für den Zustand der Jets trägt der Minister die volle Verantwortung und das hat er sich selbst zuzuschreiben, indem er quasi auf eigene Faust die Verhandlungen mit der Eurofighter GmbH nur mit minimaler Unterstützung aus dem Ressort geführt hat (Es gab zwar ein paar externe Gutachter, diese waren aber nur mit den Möglichkeiten für eine Vertragsauflösung befasst. Ein Gutachter war an den Verhandlungen beteiligt.):

    Während über die Vorgespräche im März/April 2007 und über die Verhandlungen zur Detailvereinbarung ausführliche interne Protokolle erstellt wurden, lagen über die entscheidenden Vergleichsverhandlungen vom Mai/Juni 2007 weder Protokolle noch sonstige Dokumente vor.


    Das BMLV hatte aufgrund von Erzeugerangaben zunächst jährliche Betriebskosten in Höhe von 50 Mill. EUR angenommen (Reihe Bund 2005/3 S. 11 f. TZ 11). Die Werte basierten auf einer Stückzahl von 18 Flugzeugen und 1.800 Flugstunden pro Jahr.
    Im Jänner 2008 teilte das BMLV dem RH aktualisierte Schätzungen bis zum Jahr 2016 mit. Demnach würden die jährlichen Betriebskosten bei 15 Flugzeugen und 1.500 jährlichen Flugstunden ab 2008 mehr als 50 Mill. EUR, ab 2011 mehr als 70 Mill. EUR und im Jahr 2013 rd. 100 Mill. EUR betragen.

    Der RH stellte fest, dass auch die aktualisierten Schätzungen nur einen Teil der tatsächlichen Kosten enthielten. Wie bereits im Bericht des RH aus dem Jahr 2005 erwähnt, blieben die Personalkosten, Infrastruktur– Investitionen und Gemeinkosten unberücksichtigt. Weiters wies der RH darauf hin, dass im operativ–taktischen Konzept vom November
    2007 ab dem Jahr 2015 eine Flugstundenproduktion von 1.800 Flugstunden pro Jahr vorgesehen war.


    Außerdem wurden schon damals Probleme mit der Ersatzteilversorgung angekündigt - gewisse Systembauteile sind inzwischen "obsolet", die in den österreichischen "Eurofightern" verwendeten Teile umfassen auch "Gebrauchtteile" aus anderen Flugzeugen. Das führt zur schrittweisen Kannibalisierung der Jets und ihrer vermutlich baldigen Außerdienststellung, wenn nicht entsprechende Upgrades durchgeführt werden:

    Der RH wies darauf hin, dass ab dem Jahr 2015 bei einer erhöhten Flugstundenproduktion pro Flugzeug mit einer Verdichtung der Wartungsereignisse pro Flugzeug und mit einem vermehrten Verschleiß sowie mit einer Verringerung der Lebensdauer der Flugzeuge zu rechnen ist.

    Laut Stellungnahme des BMLV sei die Flugstundenanzahl auch nach dem Jahr 2014 mit 1.500 Flugstunden festgelegt.

    Der RH entgegnete, dass diese Festlegung eine Änderung des operativ–taktischen Konzeptes vom November 2007 erfordern würde.


    Laut BMLV sei es von der Eurofi ghter GmbH erstmals im November 2007 informiert worden, dass nicht nur in den sechs gebrauchten Flugzeugen, sondern auch in den „neuen“ Flugzeugen der Tranche 1–Konfiguration gebrauchte Systembauteile bzw. Komponenten der Tranche 2 verwendet würden. Die Eurofi ghter GmbH begründete dies damit, dass
    es sich dabei um die letzten produzierten Eurofi ghter der Tranche 1– Konfiguration handelte („End of Line“–Produktion) und teilweise keine Neuteile mehr zur Verfügung stünden.
    Somit seien nur zwei von insgesamt 15 Flugzeugen als „ungebraucht und fabriksneu“ zu bezeichnen. Für die gebrauchten Systemteile bei den „neuen“ Flugzeugen vereinbarte das BMLV nach Abschluss des Vergleiches mit der Eurofi ghter GmbH einen Preisabschlag proportional zur Gesamtlebensdauer der Systemteile.

      Der RH wies auf allfällige nachteilige Auswirkungen im Hinblick auf die Systemerhaltung sowie auf die weitere Versorgung mit Ersatz– und Umlaufteilen hin, weil diese erschwert und kostenintensiver sein könnte. Er empfahl, umgehend Maßnahmen zur Sicherstellung der Verfügbarkeit von Ersatz– und Umlaufteilen einzuleiten, um allfällige Stehzeiten und Mehrkosten für das BMLV zu vermeiden.

    Laut Stellungnahme des BMLV sei die Empfehlung des RH verwirk licht worden.


    Laut Vergleich ist eine „angemessene Versorgbarkeit“ mit Ersatz– und Umlaufteilen von der Eurofi ghter GmbH sicherzustellen. Die Eurofi ghter GmbH informierte das BMLV im Jänner 2008 über obsolete Komponenten für die Flugzeuge der Tranche 1–Konfiguration. Dies betraf vorerst 27 verschiedene Ersatz– und Umlaufteile pro Flugzeug. Laut BMLV seien die obsoleten Teile teilweise durch Komponenten der Tranche 2–Konfiguration oder anderer Standards ersetzbar, wodurch zum Teil der vollständige Austausch größerer Bauteile erforderlich werden könnte. Zusätzlich bemühte sich das BMLV, mit anderen Luftwaffen Vereinbarungen über die Leihe von Komponenten abzuschließen.
    Das BMLV konnte dem RH weder die Verfügbarkeit von Ersatzlösungen für die betroffenen Ersatz– und Umlaufteile bestätigen noch die Kosten hiefür angeben.


    Laut Stellungnahme des BMLV sei die logistische Versorgbarkeit gemäß der Detailvereinbarung für 30 Jahre sichergestellt. Weiters seien Maßnahmen zur Bereinigung der Obsoleszenzen eingeleitet worden.

    Der RH verblieb im Hinblick auf die fehlenden konkreten Durchsetzungsmöglichkeiten bei seiner Empfehlung.


    Im Dezember 2007 schloss das BMLV insgesamt vier Verträge mit drei Unternehmen betreffend diese Leistungen ab. Die Verträge traten rückwirkend mit Juli 2007 in Kraft. Bezogen auf die Gesamtlaufzeit der Verträge (43 bzw. 103 Monate) betrugen die Gesamtkosten für die vier Verträge rd. 177 Mill. EUR.


    Vielmehr wurde bei drei Verträgen eine Laufzeit von drei Jahren und sieben Monaten und beim Vertrag betreffend die
    Triebwerke eine solche von acht Jahren und sieben Monaten vereinbart.
    Darüber hinaus hielt der RH fest, dass für die Zeit nach Ablauf der Verträge keine Preisvereinbarungen oder –garantien vorlagen. Weiters war nicht absehbar, ob das BMLV nach Ablauf der Vertragslaufzeiten dieselben Unternehmen neuerlich beauftragen würde.


    Im November 2007 wurde im BMLV die jahrelange „Verschleppung“ der Entscheidung, ob die Flugzeuge der Type Saab 105–OE modernisiert oder ob Ersatztrainingsflugzeuge beschafft werden sollen, aufgezeigt.
    Dabei wurde auf den sinkenden Ausbildungsstand der Piloten, die geringere Effektivität der Luftraumüberwachung und das erhöhte Unfallrisiko verwiesen. Von Februar 2008 bis Ende 2010 wäre daher mit einer verringerten Effektivität der Luftraumüberwachung zu rechnen.

    Der RH wies darauf hin, dass die Entscheidung, in welcher Form die vorgesehenen Flugstundenleistungen zur Erhaltung der Einsatzfähigkeit der Piloten sicherzustellen sind, noch offen war. Er empfahl, Lösungsmöglichkeiten zur Sicherstellung der Flugstundenproduktion sowie der damit verbundenen Einsatzfähigkeit der Piloten zu prüfen und rechtzeitig die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen, um die Effektivität der Luftraumüberwachung aufrecht erhalten zu können.

      Laut Stellungnahme des BMLV sei eine Arbeitsgruppe „Jet–Trainer–Neu“ eingesetzt worden, welche die bisherigen Überlegungen betreffend Trainingsflugzeuge für eine baldige Entscheidungsfindung noch 2008 aufbereiten würde.


      Quelle: RH-Bericht

    Hier ist noch die seinerzeitige Reaktion des BMLV auf den RH-Bericht (aus einer Pressekonferenz des Verteidigungsministers) - es wurden damals einfach Tatsachen verdreht, gerade wie es dem Ministerium in den Kram passte:

    http://www.bmlv.gv.at/archiv/a2008/pdf/rh_bericht_zahlen.pdf

Seine Kritiker fordert Darabos auf, mit ihm "gemeinsam zum Finanzminister zu gehen und darum zu kämpfen, mehr Budget fürs Bundesheer herauszuholen". Er halte aber zwei Mrd. Euro in wirtschaftlich schwierigen Zeiten für angemessen. Was er als Minister machen könne: "Die Prioritäten so umstellen, dass eben in die Infrastruktur investiert wird."


Wenn er diese Idee umsetzen würde, hätte er bei seinen Untergebenen sicherlich eine ganze Menge an Vertrauen wieder, das er in den letzten drei Jahren kontinuierlich verloren hat. Ich hoffe, dass das zustande kommt - es wäre ein echter Fortschritt! Nur: Um die Bundesheerreform noch umsetzen zu können, wären mittlerweile Investitionen von mindestens 4 Milliarden Euro erforderlich gewesen. Tatsächlich umgesetzt wurde höchstens 1 Mrd. Euo. Und woher sollen diese Summen kommen?


Bundesheer-Debatte: ÖVP über Darabos "fassungslos"


Welche Partei stellt noch mal den Finanzminister?? Ich glaub' nicht, dass das ein "Roter" ist!

Das Bundesheer– ein Skelett ohne Muskeln

Verstehe ich das richtig: Die Milizbataillone existieren nur auf dem Papier?

Paulus: Die Offiziere und Unteroffiziere üben regelmäßig, aber nicht die Mannschaften. Wir haben ein Skelett ohne Muskeln und Fleisch. Da können wir nicht mehr von trainierten einsatzbereiten Einheiten sprechen.


Aber das war ja der Plan: Der Grundwehrdienst wurde auf sechs Monate reduziert, die Übungen wurden abgeschafft.

Paulus: Das Wehrgesetz sieht zwingend vor, dass der zuständige Ressortführer bis zu zwölf Prozent eines Jahrganges weiterhin verpflichten kann, für einige Jahre Übungen zu leisten. Die reine Zwangsverpflichtung ist vielleicht nicht sinnvoll. Aber es würde genügen, wenn man etwa acht Prozent durch Prämien dazu motiviert, alle zwei Jahre zu kommen.

Das kann sich das Heer leisten?

Paulus: Eine Prämie für Milizsoldaten kommt wesentlich billiger, als wenn man die Verbände mit Berufssoldaten oder Zeitsoldaten aufstocken würde.

Sie sitzen in der Evaluierungskommission für die Bundesheerreform. Wie geglückt ist diese Reform?

Paulus: Da möchte ich den stellvertretenden Generalstabschef Commenda zitieren, der voriges Jahr öffentlich erklärt hat, dass die Bundesheerreform 2010 unter den gegebenen Rahmenbedingungen tot ist. Tot ist sie, weil einfach das Geld nicht vorhanden ist.


Aber bei der derzeitigen Budget- und Wirtschaftslage sind mehr Mittel für das Heer schwer argumentierbar.

Paulus: Bis zu einem gewissen Grad werden mehr Mittel erforderlich sein, weil die momentan vorhandenen Personalkosten des stehenden Heeres nicht so rasch abgebaut werden können. Wenn das nicht erfolgt, werden die Personalkosten, die schon über 50 Prozent des Budgets ausmachen, das Heeresbudget langsam auffressen.

Die Spitzenoffiziere des Bundesheers sehen die Lage nicht ganz so dramatisch, in einem offenen Brief an Sie haben sie die Kritik zurückgewiesen.

Paulus: Die offizielle Heeresspitze hat offensichtlich den Auftrag, das hervorzuheben, was gut funktioniert. Das sind die Auslandseinsätze mit geringen Kräften, und das sind die Katastrophenhilfseinsätze. Ich rede aber davon, dass die Einsatzbereitschaft eines ganzen Heeres infrage gestellt ist. Und ein Heer ist nun einmal mehr als ein paar tausend Soldaten.



Die ewige Bundesheer-Reform (Sehr, sehr lesenswert!!)


mechtruppe
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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von mechtruppe » 18. Feb 2010, 21:40

Wenn ich mir Paulus anhöre,komm ich mir vor,wie in der Ära der Raumverteidigung.
Natürlich brauchen wir ein einsatzfähiges Heer(das haben wir auch),aber manchmal klingt es schon
als ob Paulus wieder ein Massenheer haben will.
Eine jährliche Volltruppenübung mit 55.000 Mann wäre wahrscheinlich für ihn das beste.
Hallo? Solche Übungen werden nicht einmal mehr von den großen Nato-Staaten abgehalten.
Wenn ein Szenario kommen sollte,wo Österreich Mobil machen muß,gibt es bekanntlich eine
Vorwarnzeit,denn ein Krieg entsteht nicht von heute auf morgen. Zumindest nicht mit unseren
Nachbarländern. Was wir tatsächlich brauchen ist eine Truppe,die für die gesamten
Petersberg-Aufgaben gewappnet ist.(Friedensicherung bis Friedenschaffung).
Dafür braucht diese Truppe auch alle Waffengattungen (Kampf der verbundenen Waffen),
die wiederum für die klassische Landesverteidigung notwendig sind.

Prometheus
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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von Prometheus » 19. Feb 2010, 10:28

@theoderich

hey danke für den FM4-Eintrag.
Man kann den Berufsalternativlinken-jugend dort da viel vorwerfen, aber über die Jahre waren ihre Beträge immer sehr neutral gehalten.
Ich finde auch dass sie im vergleich die beste Forumsgemeinschaft im ganzen ORF haben, wo man auch vernünftig reden kann.

p.s.: ist für mich als popularmusik liebhaber mein lieblingssender, in der Form sehr selten anzutreffen, erfüllen meines erachtens sogar den Bildungsauftrag des ORF.

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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von theoderich » 19. Feb 2010, 10:31

Ich bin über eine Suche auf "Google" eher zufällig darüber gestolpert. Ändert nichts daran, das der Beitrag eine journalistische Qualität hat, die man beim ORF normalerweise weit sucht (Da wird öfter über den "Eurofighter" gesudert, statt auf die eigentlichen Probleme des Heeres einzugehen!).

theoderich
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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von theoderich » 19. Feb 2010, 13:11

Entgegen den Erwartungen, wird der Evaluierungsbericht EXTREM KRITISCH ausfallen. Das völlige Scheitern der Reform ist jetzt quasi "amtlich". Trotzdem gibt es statt einer Budgeterhöhung nur die Empfehlung den Status quo zu halten!:

Heeresreform in der Kostenfalle

Die TT hat Einblick in den noch unter Verschluss gehaltenen Bericht zum Stand der Bundesheerreform genommen. Wie ein roter Faden zieht sich der Geldmangel durch das 30 Seiten starke Papier.

Von Wolfgang Sablatnig

Wien – Desolate Kasernen. Eurofighter, die nur zum Teil einsatzfähig sind. Panzer, die für Reparaturen abgestellt sind. Die Offiziersgesellschaft und die Opposition schlagen angesichts des Zustands des Bundesheeres Alarm.

Die Führung von Militär und Verteidigungsministerium versucht zwar zu beschwichtigen. Flugzeuge wie Panzer müssten gewartet werden, dass nie alle Geräte gleichzeitig einsatzbereit sind, sei normal. Und zu den Kasernen: Da seien in den vergangenen Jahren 300 Millionen Euro investiert worden, schrieb Generalstabschef Edmund Entacher an die Offiziersgesellschaft. Die „Bauoffensive“ werde fortgesetzt.

Zahlreiche Probleme werden aber im Entwurf für den Endbericht einer Arbeitsgruppe bestätigt, welche die Umsetzung der 2004 beschlossenen Bundesheerreform bewerten sollte. Das Heer steckt laut der Gruppe, die unter Vorsitz von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) getagt hat, in der Kosten­falle. Laut einer „ressort­internen Analyse“ werde der Personalaufwand in den kommenden Jahren „unausgewogen“ stärker steigen als der Sachaufwand. Verschärft werde das Problem des sinkenden Sachaufwands durch die Teuerung und den damit verbundenen Kaufkraftverlust, die Investitions­fähigkeit leide. Die drastischen Folgen: „Fehlende Ersatzinvestitionen für Material und Infrastruktur führen zur Überalterung und strahlen letztendlich in den gesamten Betriebsbereich aus.“ Bei manchen Fähigkeiten des Heeres sei die Frage zu stellen, ob nicht schon ein Mindestumfang erreicht sei, der nicht mehr weiter verringert werden könne.

Schon im Jahr 2009 sei daher versucht worden, Betriebskosten zu sparen und so Geld für Investitionen in Gerät und Gebäude frei zu bekommen. „Flottenkilometer“ von Fahrzeugen seien ebenso verringert worden wie Flugstunden bei den Luftstreitkräften. Außerdem wurde bei „Materialerhaltungs­ereignissen“ gespart.

Der Finanzmangel trifft auch die Infrastruktur der Grundwehrdiener und der Kadersoldaten, also die Kasernen: „Bei der Verbesserung der Infrastruktur für Grundwehrdiener und KIOP/KPE-Soldaten (Berufs- bzw. Zeitsoldaten für internationale Einsätze, Anm.) wurden zwar erste Schritte gesetzt, sie werden aber insgesamt angesichts der dafür zur Verfügung stehenden beschränkten finanziellen Mittel nur langfristig umzusetzen sein.“

Geldnöte werden zum Gutteil auch dafür verantwortlich gemacht, dass von den insgesamt 120 Empfehlungen der Bundesheerreformkommission unter der Leitung des verstorbenen Wiener Altbürgermeisters Helmut Zilk zwölf bisher gar nicht und 44 nur zum Teil umgesetzt werden konnten. Vor allem das Ziel, bei internationalen Einsätzen die Führungsrolle in einer Brigade übernehmen zu können (Stichwort „Framework-Brigade“) wurde mangels moderner Ausrüstung noch nicht erreicht. Ausdrücklich festgehalten wird allerdings, dass dieses Ziel „langfristig“ aufrecht bleiben solle – ohne aber ein Zieldatum zu nennen.

Offenbar angesichts der gesamtstaatlichen Finanznöte geben sich die Bundesheerplaner trotz der Kostenfalle aber bescheiden, was ihre Wünsche für die Zukunft betrifft. Statt einer Budgeterhöhung wird lediglich gefordert, „zumindest das derzeitige Niveau des Landesverteidigungsbudgets zu halten.“

Säumig ist die Politik laut dem Papier aber nicht nur beim Geld. Auch von der Reformkommission empfohle­ne Gesetzesänderungen – etwa die Verpflichtung von neuen Berufssoldaten zu Auslandseinsätzen – seien bisher nicht durchgeführt worden.

Schließlich gebe es ein Personalproblem. Eine „erhebliche Anzahl“ von Bediensteten habe wegen der Umstrukturierungen in Heer und Heeresverwaltung keinen Arbeitsplatz mehr. Gleichzeitig fehlten aber junge Berufs­soldaten.

Der brisante Bericht wird im Verteidigungsministerium noch unter Verschluss gehalten. Die Oppositionsparteien fordern von Ressortchef Darabos aber eine Debatte über die Lage der Armee im zuständigen Parlaments­ausschuss. Als Termin dafür ist der kommende Montag im Gespräch.


Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 17.02.2010



Darabos steht unter Zugzwang

Eine Antwort auf die Frage, wie er mit diesem schweren Erbe umgehen will, ist Darabos bisher aber schuldig geblieben. Der Evaluierungsbeirat für die Bundesheerreform ist dabei ein weiterer Mosaikstein. Dass der für die Umsetzung der Reform verantwortliche Minister selbst der Kommission zur Bewertung der Reform vorgesessen ist, birgt eine schiefe Optik. Dennoch ist herausgekommen, dass sich das Heer nicht nach der Decke strecken kann, sondern seine Ziele dem vorhandenen Geld und Personal anpassen muss.

Noch kann das Heer seine Aufgaben erfüllen. Darabos muss aber die Karten auf den Tisch legen, wie er das auch für die Zukunft sicherstellen will. Dafür ist nur er verantwortlich, bei allen Versäumnissen der Vergangenheit.



Bundesheer in Nöten: Falsche Leute, Panzer kaputt

Im Jänner hat dieser so genannte „Evaluierungsbeirat“ seine abschließende Klausur gehabt, am Endbericht wird noch gearbeitet. Eindringlich war aber die Rede von einer „anwachsenden Differenz“ zwischen den Zielen und dem Personalplan, erfuhr die TT – gemeint ist die Personalknappheit.

Dazu komme das Problem jener Bediensteten, die keine Aufgabe mehr haben. Sie verschärfen noch dazu die Finanznöte. Die Planer in Uniform erwarten für die kommenden Jahre einen Anstieg des Personalanteils am Heeresbudget; als Folge wird eine Kürzung der Investitionen befürchtet. Um die Personalkosten im Rahmen zu halten, sollte zumindest versucht werden, Bedienstete, die keinen Job mehr haben, abzubauen – in Richtung anderer Ministerien oder in die Privatwirtschaft, zur Diskussion stehen aber auch Frühpensionierungen.

In Summe ergibt sich laut der Evaluierungskommission, dass das Heer seine Reformziele erst später erreichen kann, betroffen sind vor allem Fähigkeiten zum Auslandseinsatz. Das Zieldatum 2010 der Zilk‘schen Reform sei aber ohnehin nie als exaktes Datum zu verstehen gewesen, heißt es jetzt bei den Militärs.


    [url]http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Nachrichten/247385-6/bundesheer-in-nöten-falsche-leute-panzer-kaputt.csp[/url]

Bundesheer-Reform nur lückenhaft umgesetzt



Gesprächsbedarf

Dabei ist es einigermaßen verwunderlich, dass wir so leidenschaftlich wie exzessiv über Themen wie Armutsvermeidung, soziale Gerechtigkeit, Probleme der Integration, Gleichberechtigung oder Standortpolitik streiten können – nicht aber über die grundlegende Voraussetzung, die dies alles erst ermöglicht: Die Sicherheit unseres Gemeinwesens und die Fähigkeit, dieses im Bedarfsfall auch zu verteidigen. Das scheint in Österreich niemanden so wirklich zu interessieren.

Die aktuelle Debatte über den Zustand des Bundesheeres ist gegen diesen Befund kein Gegenargument. Diese speist sich aus der Lust am vermeintlichen Skandal, der gespielten Empörung über marode Panzerbrigaden, dem Spott über eine flügellahme Flugwaffe. All dies sind nur die traurigen Symptome einer Sicherheitspolitik, deren Potenz rein rhetorischer Natur ist. Die zugrunde liegende Faktenlage dagegen ist erschreckend dünn.



Vermutlich kann man sich beim Heer auf künftige Budgets mit 80 oder 90% Personalkostenanteil mit null Investitionsspielraum und nur noch wenig Geld für Einsätze, seien es jetzt Assistenz- oder Auslandseinsätze (vom Verteidigungsfall braucht man nicht mehr zu reden), geschweige denn Übungen einstellen.

P.S.: Ein Rückblick auf das Raumverteidigungskonzept von General i.R. Othmar Tauschitz. Er beschreibt darin eine Art "Rebellion" der Generalstabsoffiziere gegen eine in den 70ern geplante Wehrdienstverkürzung auf vier Monate, die ich für höchst bemerkenswert halte. Diesen Text hätten sich ALLE zu Gemüt führen müssen, die in der Bundesheerreformkommission und in der aktuellen "Evaluierungskommission" gesessen sind!!! Er spiegelt quasi das Verhalten der Politik rund um die Reform ÖBH 2010 haargenau wider:


Weitere im Zusammenhang mit der "ewigen gescheiterten Heeresreform" relevante und hochinteressante Dokumente, sind folgende:

Die Entwicklung der österreichischen Streitkräfte der 2. Republik bis zur Heeresreform der
Regierung Kreisky

Von General i.R. Albert Bach


Eine Frage der Zeit - 40 Jahre Heeresreform in Österreich
Von Hofrat Univ.-Doz. Dr. Manfried Rauchensteiner


Die Rüstung des Kleinstaates Österreich heute und morgen
von General Mag, Dr. Peter Corrieri

Zuletzt geändert von theoderich am 24. Okt 2012, 12:40, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von theoderich » 20. Feb 2010, 23:17

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die anderen werden schon" (Von Hubert Patterer)
Utl.: Ausgabe vom 21.2.2010 =

Graz (OTS) - Es ist nicht so, dass das Bundesheer an einem Mangel an Sympathie litte. Am Land streiten sich die Gemeinden um die Angelobungen. Gibt es eine Heeresschau, strömen die Menschen herbei und es geht zu wie im Prater. Das Heer genießt eine hohe folkloristische Akzeptanz.
Bei Ungemach wie Hochwasser, Holzbruch oder zugeschneiten Rennpisten schätzen die Menschen die beherzte Hilfe. Bisweilen ist man einfach nur froh, dass die Rekruten da sind und auf einsamen Wegen entlang gestriger Grenzen für 12 Millionen Euro in Trance auf und ab patroullieren. Die Teenager sollen nichts tun müssen, dürfen auch nicht, Hauptsache, man weiß sie in der Nähe. Der Wirt freut sich, dass ab und zu einer einkehrt. Gefühlte Sicherheit, sagen die Leute.
Geht es um die eigentliche Identität eines Heeres, die militärische, schwindet das Bekenntnis und duckt sich verschämt weg. Ein ordentliches Budget, das uns von Malta wegbringt? Zeitgemäße Standards bei Ausstattung und Kleidung, die dem Land peinliche Köder-Videos für Pubertierende ersparen würden? Neu-Definition von Landesverteidigung im europäischen Kontext? Aber wozu denn, wenn das Land das geografische Massl hat, dass es von lauter Nato-Ländern umringt ist und die Schweiz nur sportlich eine Gefahr darstellt?
Am westlichen Bündnis will man zwar nicht anstreifen, aber den Schutzring nimmt man mit Handkuss. Dieser parasitäre Pazifismus, der uns so beliebt macht, ist die heimliche Doktrin geblieben. Sie bescheidet sich augenzwinkernd mit einer Art Mindestsicherung für alles Militärische. Diese Haltung wird nach außen hin der friedliebenden Wesensart des Österreichers zugeschrieben, steht aber, wenn man die Tarnkappe beiseite legt, unter Free Rider-Verdacht: Die anderen werden schon. Für das Heer heißt das, dass sich sein Dasein im bloßen Da Sein erschöpft. Mehr will niemand. Der Eurofighter war ein einmaliger Betriebsunfall. Die eigentliche (und einzige) Rechtfertigung - Kompatibilität mit einer europäischen Laufraum-Flotte - verschwieg man den Bürgern.
Die Investition wurde deshalb als so obszön empfunden, weil sie einen rabiaten Bruch mit dem militärischen Minimalismus darstellte. Dessen Folgen brechen jetzt eruptiv auf: eine niedergefahrene Miliz; desolate Kasernen, wie sie in Mostar auch stehen könnten; Panzer, die nicht mehr wollen und in kein Konzept mehr passen; in Leder gebundene Reformpapiere, die niederevaluiert, aber nie umgesetzt werden, weil das Geld fehlt. Was bleibt, ist die Flucht ins So-tun-als-Ob, in eine Chimäre. Sie trägt den Namen Sicherheitspolitik. Norbert Darabos vertritt sie würdig.****



Jaja, und die restlichen 364 Tage im Jahr wird das Bundesheer medial und politisch weiter verteufelt. Die nächste Reform wird schon kommen - zunächst hochgelobt, dann halbherzig umgesetzt, währenddessen dauernde Querelen mit den Offizieren, aber alles läuft offiziell prima. Später eine "Evaluierungskommission" zur Selbstbestätigung des bisher "Geleisteten" eingesetzt. Der Bericht ist hochlobend oder vernichtend ... egal, prompt serviert man dem Heer die nächste "Anpassung an das sicherheitspolitische Umfeld" und das Spiel beginnt von neuem. Ein ewige Tragödie.

Wer braucht dieses Heer?



Und in der "Presse" wettert eine Journalistin gegen den Wehrdienst:

Dienen, aber richtig



Laut einem Artikel im "Kurier" gibt es in der ÖVP angeblich Ideen, das Innen- und das Verteidigungsministerium zu einem "Sicherheitsministerium" zusammenzulegen. Langsam glaube ich, dass alle politischen Akteure beginnen, den Verstand zu verlieren und immer stärker in den Wahnsinn abgleiten.

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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von theoderich » 21. Feb 2010, 09:48

Darabos: Bundesheer "natürlich einsatzbereit"

Auch für die verfassungsmäßige Aufgabe des theoretischen Falles der Landesverteidigung, der aus seiner Sicht derzeit nicht anstehe, "weil es keine Bedrohungsszenarien gibt und wir mitten innerhalb der EU liegen", sei man bereit.

Debatte "völlig überzogen"
Zur Kritik am Zustand der Soldatenunterkünfte und des militärischen Geräts meinte Darabos, er halte die Diskussion, wie sie in den vergangenen zwei Wochen gelaufen ist, "für völlig überzogen". Er könne nur mit dem Budget, das er habe - und das seien über zwei Mrd. Euro - Schritt für Schritt vorgehen: "Es ist ein gutes Budget. Das würden die Österreicher auch nicht verstehen, wenn man in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise, die nicht wir verursacht haben, unrealistische Forderungen auch budgetärer Natur stellen würde."



Wo es bei unserem Heer kracht (Teils recht gut geschrieben - teils aber auch ziemlich fragwürdig!)

Selbst hohe Militärs geben inzwischen zu, dass man die meisten schweren Panzer einmotten könnte. Den Kürassier-Jagdpanzer wird es wohl zuerst treffen.

1.) Welche "hohen Militärs" bitte?
2.) Österreich hat im europäischen Vergleich eine unterdurchschnittliche Zahl von Kampfpanzern. Die Zahl an Schützen- und Mannschaftstransportpanzern ist teilweise hinterfragenswert. Aus der Sicht eines Laien kann man nur behaupten, dass ein Ersatz durch drei einheitliche, moderne Muster (in unterschiedlichen Varianten) sicher die beste Lösung wäre ("Ulan" + "Pandur" II 6x6 + "Dingo" 2). Die Schweizer Armee hat den CV90 in einer Gruppen- und einer Kommandoversion bestellt. Außerdem betreibt sie Mannschaftstransportpanzer in mindestens acht unterschiedlichen Versionen (Radschützenpanzer, Panzerjäger, Kommandofahrzeug, Integriertes Funkaufklärungs- und Sendesystem / EloKa-Fahrzeug, Kommunikationsfahrzeug Piranha IIIC, ABC-Aufklärungsfahrzeug, Sanitätsfahrzeug, Spezialversion für Militärpolizei, etc.)

311 Millionen seien in seiner Amtszeit bereits in die Infrastruktur geflossen, sagt Minister Darabos. Nur wurde die Hälfte davon allein in die Zeltweger Eurofighter-Werft gepumpt.

Jaja, der "böse Eurofighter". Wenn man bedenkt, wie sanierungsbedürftig der gesamte Zeltweger Fliegerhorst gewesen ist, kann man die Kosten zumindest teilweise nachvollziehen. Jetzt hat man einen topmodernen Stützpunkt. Was passiert: Es wird weitergesudert!


"Bundesheer ist kein Schrottplatz"


Und das SPÖ-hörige Käseblatt "Österreich" schiebt (mal wieder) alle Schuld dem "Eurofighter" zu (und schreibt von "Fast-Abstürzen", die man "in der Vorwoche aufgedeckt habe". Sind diese Journalisten eigentlich geistig zurechnungsfähig? Man muss es sehr stark bezweifeln!):

Eurofighter treiben Heer in Finanz-Chaos


theoderich
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Re: Bundesheerreform: Evaluierungsrat sorgt für Eklat

Beitrag von theoderich » 21. Feb 2010, 16:59

Darabos weist Kritik am Heer zurück

"Immer einsatzbereit"
Folglich wies Darabos auch Vorwürfe, wonach größere Truppenverbände wegen Ausrüstungs- und Ausbildungsmängeln nicht mehr voll einsatzfähig seien, zurück.

Das Heer sei im Katastrophenfall natürlich "immer einsatzbereit" und gehöre etwa auch bei den Auslandseinsätzen zu den "Top Fünf" in Europa. Im Übrigen, so Darabos, repräsentierten Offiziersgesellschaft und Milizverband (die sich zuletzt mit massiver Kritik zu Wort gemeldet hatten, Anm.) nicht das Bundesheer, sondern seien "private Vereinigungen". Zu Diskussionen sei er trotzdem jederzeit bereit, allerdings nicht auf dem Rücken der Soldaten.


Ähnlich verhalte es sich mit der Höhe des Heeresbudgets von rund zwei Mrd. Euro pro Jahr: "Das hat es unter keinem Verteidigungsminister der Zweiten Republik gegeben", sagte Darabos.

Verweis auf höheres Budget
Das Bundesheer könne seinen Aufgaben "hundertprozentig nachkommen", die Luftraumüberwachung werde von den Eurofightern gewährleistet, und mit dem Zustand der Kasernen sei es zwar "nicht zum Besten bestellt", aber er bemühe sich um Verbesserungen. So habe er das Baubudget für heuer von 65 auf 80 Mio. Euro aufgestockt, betonte Darabos. Mit mehr als zwei Mrd. Euro Budget sei das Heer insgesamt finanzierbar.



War ja klar, dass er wieder "um den heißen Brei herumredet", Milizverband und Offiziersgesellschaft als nicht anerkannte Privatvereine abstempelt und herausposaunt, dass "eh alles bestens sei".

Und wenn sich die alte Regierung durchgesetzt hätte mit 32 Eurofightern, dann 24, dann 18, dann wäre das österreichische Bundesheer aus meiner Sicht nicht mehr finanzierbar.


Unser Minister hat ein seeeehr schwaches Zahlengedächtnis - hätten wir alle 30 gekauft und KOSTENLOS auf Tranche 2 aufgerüstet wäre es eigentlich logischerweise billiger gekommen, als jetzt mit 15 "Überwachungsflugzeugen" mit extrem eingeschränkten Fähigkeiten.

Dass ich mehr gerne hätte, ist auch klar ... aber es gibt auch Staaten die weniger haben als Österreich.

Absolut gesehen ja. Relativ gesehen ist Österreich das Schlusslicht in ganz Europa. Und 27000 EINSATZFÄHIGE Milizsoldaten gibt es nicht.Diese 52000 die er nannte, ist das GESAMTE PERSONAL des Heeres.

Die Berufssoldaten, können alle kämpfen ... das ist ungefähr die Hälfte: Etwa 13 - 14000.


Nur der Rest besteht großteils aus Systemerhaltern, mit einem minimalen Anteil von Kampfsoldaten.

Wir haben über 500.000 Manntage in der Miliz, die üben. Und das ist doch ein Prozentsatz und eine Zahl, die nicht weggeredet werden kann. Das ist ... das Verdienst ... von meiner Amtsführung ... weil ... Günther Platter hat es auf Null reduziert. Und ich habe gesagt, die Miliz ist mir wichtig, deswegen übt die Miliz wieder. Und wir haben 27.000, das heißtein Drittel der Miliz übt permanent und pausenlos und man kann das doch nicht einfach wegreden. Das ist einfach Faktum im österreichischen Bundesheer.


Außerdem meint, er die Verpflichtung von 12% der Soldaten zu Übungen, wäre "wirtschaftspolitischer Nonsens", weil diese Soldaten dann "vielleicht Probleme mit ihrem Arbeitsplatz haben". Warum hat das dann über Jahrzehnte tadellos funktioniert?
Und für die 55.000 Mann Mobilmachungsstärke vermanscht der Minister einfach den Rest der einsetzbaren Miliz, die Berufssoldaten, Zivilbediensteten und Systemerhalter. Das ist eine Logik die kein vernünftig denkender Mensch nachvollziehen kann.
Außerdem kommentierte er die Fotos der VPW-Kaserne zunächst mal damit, dass darauf "keine Unterkünfte gezeigt würden". Sollen Lagerräume und Garagen etwa so aussehen? Mit fast komplett abgeblättertem Putz und in desolatem Zustand?

Wir haben beim Weltwirtschaftforum in Davos immer 10 Eurofighter einsatzfähig gehabt.


Ich hab' der Republik 320 Millionen Euro eingespart, mit meinem Deal. 250 Millionen cash und 120 Millionen, was die weiteren Jahre betrifft und zu dem stehe ich zu 100 Prozent.


Anders der RH-Bericht:
Der RH stellte fest, dass sich durch den Vergleich aufgrund von Abbestellungen das Entgelt an die Eurofighter GmbH aus den Kaufverträgen um 250 Mill. EUR verringerte. Von der im Vergleich angeführten Entgeltreduktion bei den Betriebskosten in Höhe von 120 Mill. EUR waren aufgrund der Laufzeit der diesbezüglichen Verträge erst rd. 17 Mill. EUR gesichert. Somit waren von der im Vergleich angeführten Entgeltreduktion von „mindestens 370 Mill. EUR“ nur rd. 267 Mill. EUR gesichert. (TZ 4)


Darabos behauptet auch, dass die Gebrauchtjets "nicht einmal 50 Stunden in der Luft waren" und, dass das "neue Geräte" wären. Der Rechnungshofbericht sagt da etwas anderes:

Für die sechs gebrauchten Flugzeuge („fast neuwertig“) wurden in der Detailvereinbarung zum Vergleich keine Maximalwerte im Hinblick auf die Materialabnützung und die Anzahl der bereits geleisteten Flugstunden festgelegt, wodurch für das BMLV keine Möglichkeit zur Kompensation des tatsächlichen Materialabnützungsgrades bestand. (TZ 37)


Er vermutet, dass die ganze Kritik von der ÖVP, die Mensdorff-Pouilly schützen wolle, in die Welt gesetzt worden wäre, weil er sich in der Causa um Mensdoff-Pouilly geäußert habe.

Darabos: Diskussion über Bundesheer "unter Gürtellinie"

Mit einer Verwaltungsreform habe er mehr Geld zur Truppe gebracht, er habe die Armee im Sinn der BH-Reform umgegliedert, die Empfehlungen der Reformkommission seien weitestgehend erfüllt - bis auf zwölf, wo es um "politische" Fragen wie die Verpflichtung von Soldaten zu Auslandeinsätzen gehe. Und bei der Miliz - die ausreichend einsatzfähig sei - habe er die von seinem Vorgänger Günther Platter (VÖP) gestrichenen Übungen wieder eingeführt


Leider ist es bei diesen Fragen nicht nur um Politisches, sondern in erster Linie um Finanzielles gegangen - genau das, wo es beim Heer an fast allen Ecken und Enden fehlt.


Antworten
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