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Fliegerwerft Fischamend Hubschrauber-Prototyp "PKZ2"
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Autor:  theoderich [ 25. Apr 2014, 11:35 ]
Betreff des Beitrags:  Fliegerwerft Fischamend Hubschrauber-Prototyp "PKZ2"

Lein, Richard: Hubschrauber Prototyp PKZ2, in: Jubel & Elend. Leben mit dem Großen Krieg 1914 - 1918, S. 140 hat geschrieben:
Hubschrauber-Prototyp PKZ2"

Um die technisch veralteten Aufklärungsballons zu ersetzen wurden bereits vor 1914 Überlegungen zur Entwicklung von Hubschraubern angestellt. Der im Modell gezeigte Prototyp mit der Modellbezeichnung "PKZ2" wurde vom Fliegerarsenal Fischamend entwickelt. Bei Testflügen im Frühjahr 1918 konnte der Hubschrauber über eine halbe Stunde in 50 Metern Höhe im Schwebeflug verharren - eine Steuerung des Gerätes im Sinne einer Flugbewegung war jedoch nicht möglich. Das Kriegsende verhinderte eine Weiterentwicklung des Prototyps. RL

Modell in Glaswürfel (Metall, H: 15 cm, B: 21 cm, T: 21 cm
Fischamend Museum für Luftfahrt und Zeitgeschichte



Die Hubschrauberentwicklung in Ö-U

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Zitat:
Anfang 1916 griff Major Stephan Petróczy von Petrócz, Kommandant des Lehrbattaillons in Wr. Neustadt, die Idee wieder auf, die wasserstoffgefüllten Ballone zur Artilleriebeobachtung durch Helikopter mit Motorantrieb zu ersetzen.

Zitat:
So stellte Major Petróczy am 28.4.1916 an das K. u. K. Kriegsministerium den Antrag, 100.000,-- Kronen für die Durchführung von Versuchen zur Entwicklung eines "Schraubenfesselfliegers" (also eines gefesselten Hubschraubers) zur Verfügung zustellen. Diesem Antrag wurde schon am 20.5.1916 stattgegeben.

Zitat:
Mitte 1917 wurde Petróczy zum Kommandanten des Fliegerarsenals ernannt, wodurch er seinem Lieblingsprojekt, dem Hubschrauber, noch mehr Ressourcen zur Verfügung stellen konnte. Oberleutnant Dr. Theodor von Kármán ( der berühmte Aerodynamiker, 1881 - 1963) und Ingenieurleutnant Wilhelm Zurovec, beide dem Fliegerarsenal zugeteilt, erhielten nun die Aufgabe, einen Prototypen unter Berücksichtigung der neuesten Resultate des Propellerlabors zu konstruieren. Zurovec baute einen Preßluftmotor (Gewicht von 4 kg, 6 PS bei 2400 U/min), mit dem er ein 35 (?)kg schweres, flugfähiges Modell antrieb.

Zitat:
Obwohl Kármán Projektleiter war, begann Zurovec im November 1917 unabhängig an einem eigenen Konzept zu arbeiten. So wurde der später PKZ 2 bezeichnete Hubschrauber entgegen seiner Bezeichnung von Wilhelm Zurovec alleine erfunden, wofür ihm das Deutsche Patent No.: 347,578 am 12.2.1918, erteilt wurde. In der Konstruktion verwendete Zurovec das Konzept der gegenläufigen Luftschrauben, um das Gegendrehmoment auszugleichen.

Ein leichtes, mit Seilen verspanntes Rohrgerüst, das zum Transport leicht zerlegbar war, saß auf einem zentralen Luftsack, die drei Ausleger waren mit kleineren Luftsäcken abgestützt. Die Luftsäcke wurden durch eine Luftpumpe am Rotorantrieb aufgeblasen. Die drei Fesselungsleinen waren an den Auslegern befestigt, liefen durch Umlenkrollen am Boden und wurden durch elektrische Winden gesteuert. In den drei Auslegern war je ein LeRohne Umlaufmotor eingebaut.

Die Motoren übertrugen ihre Leistung über ein zentrales Getriebe an die Rotorwelle. Über den gegenläufigen Rotoren war der Beobachtungswinkel moniert.

Der Erstflug fand am 2. April 1918 in der Fabrik Lipták (nahe Budapest) statt. Nach mehreren Flügen, wovon einer bereits eine Stunde dauerte, wurden die Tests am 5.4. unterbrochen da die Motorleistung für einen sicheren Schwebeflug außerhalb des Bodeneffektes nicht ausreichte. Flugtests wurden mit stärkeren Motoren vom 17. bis 21. Mai fortgesetzt, wobei Flüge zwischen 10 und 50 m Höhe stattfanden. Solange die überschüssige Hubkraft ausreichte, um die Fesselleinen gespannt zu halten, blieb der PKZ 2 in einem stabilen Flugzustand.

Am 10. Juni 1918 wurde der PKZ2 einer hochrangigen Militärdelegation vorgeführt. Hierzu wurde der Beobachterstand montiert. Der PKZ2 stieg bis zu 7-8 m Höhe, war aber instabil. Daraufhin wurde der Beobachterstand wieder entfernt (ca. 35 kg), der Hubschrauber startete wieder und stieg bei einer Windgeschwindigkeit von 6-7 m/sec auf eine Höhe von 12 m, infolge wegen Überhitzung der Motoren sank deren Leistung, der Hubschrauber geriet außer Kontrolle und
wurde beim Absturz schwer beschädigt.


    Technische Daten:

      Gewicht: ca. 1200 kg (inkl. Treibstoff f. 1 Stunde, unbemannt)
      Motor: zuerst 3x Gnome Rhone Umlaufmotore mit je 100 PS Leistung
      Später 3x Le Rhone Umlaufmotore mit je 120 PS
      Rotordurchmesser 6m
      Rotordrehzahl: 600 U/min
      Insgesamt 36 unbemannte Flüge

Zusammenfassend war der Hubschrauber-entwicklung in, bzw. ausgehend von Fischamend, zwar kein endgültiger Erfolg beschieden, die 50 m Schwebeflughöhe des PKZ2 aber gelten unter Luftfahrthistorikern als inoffizieller Weltrekord, der mehr als 10 Jahre lang nicht übertroffen wurde (genaugenommen bis 1936).



Petroczy PKZ 1

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Petroczy-Karman-Zurovec PKZ 2

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Captive flying-machine of the helicopter type



Fallschirmanordnung fuer Schraubenfesselflieger mit Druckluftstossdaempfer



Das Fotografieren war in der gesamten Ausstellung leider untersagt.

Autor:  theoderich [ 29. Okt 2017, 17:56 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Fliegerwerft Fischamend Hubschrauber-Prototyp "PKZ2"

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