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Anmerkung:
ein brigadestarker Verband entspricht einer Stärke von 3.500 bis
4.000 Mann.
Soll eine Brigade ständig
einsatzbereit sein, dann sind Personalrotationen notwendig. Man geht
davon aus, dass
dafür etwa 3 bis 4 mal so
viele Soldaten benötigt
werden.
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Aber Gott sei Dank lassen sich vernünftige Politiker nicht von unhaltbaren
irrationalen Positionen beeinflussen.
Auf Helmut Zilk ist Verlass. Der Zwischenbericht der Bundesheer-Reformkommission
weist in die erwartete, vernünftige Richtung: Da eine konventionelle
Bedrohung Österreichs in absehbarer Zeit nicht ersichtlich ist,
können die für die "Landesverteidigung" vorgesehenen
Kräfte reduziert werden. Neuer Schwerpunkt muss die Fähigkeit
zur Teilnahme an "anspruchsvollen internationalen Einsätzen"
sein: "Weg von einem Mobilmachungsheer zu rasch verfügbaren
Einsatzkräften."
Obwohl die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht und der Übergang
zum Berufsheer laut Zilk "nicht übers Knie gebrochen werden
darf", weisen die Überlegungen der Kommission doch klar in
diese Richtung: Denn um an anspruchsvollen internationalen Einsätzen
teilnehmen zu können, bedarf es nach Ansicht der Kommission des
schrittweisen Aufbaus eines "brigadestarken Verbandes" von
"erhöhter Professionalität", der seinerseits eine
entsprechende Umschichtung der vorhandenen Ressourcen voraussetzt. Die
derzeit verfassungsmäßig garantierte Freiwilligkeit bei Auslandseinsätzen
für Berufssoldaten stellt die Kommission folgerichtig "infrage".
Kombiniert man diese Bedingungen, so sind sie nur durch ein De-facto-Berufsheer
zu erfüllen: Denn anspruchsvolle internationale Einsätze kann
man nicht mit einem "brigadestarken Verband" in Angriff nehmen,
solange aufgrund der Freiwilligkeit der Teilnahme nicht sicher ist,
dass man genügend Leute zusammenbekommt, mitzumachen, sondern ein
solcher Verband kann nur aus Berufssoldaten bestehen, deren Berufspflicht
es ist, sich - wie Feuerwehrleute oder Polizisten - dem zugehörigen
Risiko auszusetzen, und die dieses Risiko gleichzeitig durch entsprechende
Professionalität zu minimieren wissen.
Professionalität wie Risiko müssen bezahlt werden. Die Ressourcen
dafür sind teils vorhanden, teils müssen sie neu erschlossen
werden, wobei Vernunft vor Optik stehen sollte: Wohl belastet selbst
ein sehr kleines Berufsheer das Budget etwas stärker als ein Wehrpflichtigen-Heer
- aber dafür fällt die Belastung der Wirtschaft durch die
Einberufung jeweils eines ganzen Jahrgangs weg.
Angeblich sind auch die Grünen für diesen Übergang zum
Berufsheer. Wenn sie einigermaßen redlich sind, dann wissen sie,
dass die beschriebene Reform mit der Verpflichtung zur "immer währenden
Neutralität nach dem Muster der Schweiz" unvereinbar ist.
"Immer während" besagt nämlich, entgegen einem weit
verbreiteten Missverständnis, keineswegs, dass Österreichs
Neutralität ewig andauern muss, sondern dass sie in Friedenszeiten
genauso penibel und in allen, etwa auch wirtschaftlichen Bereichen zu
üben ist wie in Zeiten militärischer Auseinandersetzungen:
Selbst wenn keine aktuelle Bedrohung am Horizont aufscheint - so ist
daraus völkerrechtlich abzuleiten -, hat das "immer während"
neutrale Land seine Fähigkeit, sein Territorium gegen potenzielle
Eindringlinge zu verteidigen, unbedingt zu erhalten. Dass das Bundesheer
selbst in Zeiten höchst aktueller Bedrohung durch die Sowjetunion
aufgrund seiner mangelnden Dotierung nie in der Lage war, dieser Neutralitätspflicht
zu genügen, hat völkerrechtlich eine permanente Neutralitätsverletzung
durch sämtliche amtierenden Bundesregierungen dargestellt.
Ich weiß nicht, ob irgendjemandem in diesem Land - ob zum Beispiel
Heinz Fischer oder Alexander Van der Bellen - klar ist, was "immer
währende Neutralität nach dem Muster der Schweiz" völkerrechtlich
bedeutet:
Natürlich, wie die Schweiz, einen wesentlichen Prozentsatz des
Sozialproduktes in die Landesverteidigung zu stecken (statt wie Österreich
das niedrigste aller Verteidigungsbudgets auszuweisen).
Natürlich, wie die Schweiz, der EU, ja selbst der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft, fernzubleiben, weil sich aus der Mitgliedschaft
eine wirtschaftliche wie politische Abhängigkeit ergeben kann.
Der angesehene Völkerrechtsexperte Stephan Verosta: "Für
den immer während neutralen Staat ist die volle Mitgliedschaft
bei der EWG nicht möglich, denn sie ist eine Zoll- und Wirtschaftsunion
mit supranationalen Gemeinschaftsorganen und strebt auch einen politischen
Zusammenschluss an." Dass der Neutrale durch sein Abseitsstehen
wirtschaftliche Einbußen erleiden könnte, ist irrelevant,
denn er hat "seine wirtschaftlichen Verhältnisse so zu
ordnen, dass er gar nicht erst in die Lage gekommen wäre, von einer
Wirtschaftsgemeinschaft abhängig zu sein" (Verosta).
Und wehe der Bundesregierung eines neutralen Staates, die in einem internationalen
Konflikt kritisch Partei nimmt - das steht ihr nicht zu. Ja, es ist
sogar fraglich, ob es den Zeitungen eines neutralen Landes zusteht oder
ob die Regierung sie nicht durch Zensur zur Zurückhaltung zwingen
muss. (Die Schweiz hat solche Zensurmaßnahmen während des
Zweiten Weltkrieges ernsthaft erwogen.)
Für Österreichs "immer währende Neutralität
nach dem Muster der Schweiz" kann nur sein, wer keine Ahnung hat,
was sie bedeutet. (Das sind die meisten Leute, die sie im Munde führen.)
Was die Bundesheer-Reformkommission empfiehlt, ist ein weiterer Schritt
zu ihrer totalen Aushöhlung. Gott sei Dank.
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