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Only bad news are good news: Selten war dieser Satz so treffend wie
beim Kauf von 18 Kampfjets für das Bundesheer.
Die Aufregung war groß. Bei der Staatsanwaltschaft lang te Ende
Mai eine umfangreiche Sachverhaltsdarstellung betreffend "Verwirklichung
von Straftatbeständen im Zusammenhang mit der Beschaffung von Abfangjägern"
ein.
Absender: Hobby-Politiker Rudolf Fußi. Monate später erfuhr
die nach Sensationen gierende Öffentlichkeit, dass das Bundeskriminalamt
mit polizeilichen Ermittlungen beauftragt wurde. Am Montag dieser Woche
lag dann das Ergebnis der eingehenden Prüfung vor.
Diesmal kaum eine Sekunde Sendezeit, kaum eine Zeile darüber, keine
echauffierte Presseaussendung der Opposition. Weshalb? Offenbar weil
nicht sein kann, was nicht sein darf.
"Die Behauptungen des Herren Fußi haben sich als reine Luftblasen
erwiesen", erklärte nämlich der mit dem Fall betraute
Staatsanwalt Erich Müller der Austria Presseagentur. Zur Behauptung,
ein Offizier des Bundesheeres wäre in der Begutachtungskommission
genötigt worden, stellt Müller trocken fest: Die angebliche
Nötigung solle darin bestanden haben, dass in der Bewertungskommission
vier der fünf Mitglieder für den Eurofighter gestimmt haben.
Der Staatsanwalt unmissverständlich: "Darin eine Nötigung
zu sehen, dass einer überstimmt wird, ist rechtlich gesehen ein
Blödsinn." Die Sache sei umfassend und auch die Gegengeschäfte
betreffend in jede Richtung geprüft worden, der Bestbieter sei
zum Zug gekommen. So der Staatsanwalt.
Only bad news are good news. Aufregung allerorts herrschte auch, als
vor zwei Wochen der erste nach Spanien ausgelieferte Eurofighter am
Boden bleiben musste. Hersteller EADS hatte wegen technischer Probleme
bei einem Testflug in Bayern dringend zu einem Startverzicht bei einer
Militärparade am Nationalfeiertag in Madrid geraten - dasselbe
galt für alle Flüge in Deutschland. Die Rücknahme des
Flugverbots wenige Tage später und die Tatsache, dass das aufgetretene
Problem sich als singulär, nicht systembedingt, herausgestellt
hatte, war wieder kaum eine Zeile wert.
Dann ist da noch der genussvoll ausgeweidete deutsche Rechnungshof-Rohbericht.
Stichworte: Der Eurofighter sei teurer als angenommen, er sei im Winter
einsatzuntauglich, fliege weniger hoch, weniger rasch als versprochen
und weise eine Reihe anderer gravierender Mängel auf.
Nun wird aber gerne verges sen, in diesem Zusammen hang auf dreierlei
hinzuweisen:
[*] Angebliche oder tatsächliche Mängel betreffen jedenfalls
nur die 38 Deutschland vertraglich zustehenden Flugzeuge aus dem allerersten
Baulos. Österreichs Bestellung bezieht sich auf eine spätere
Tranche. Bis dahin sollten erste "Kinderkrankheiten", die
bei einem neu entwickelten hochtechnisierten Produkt unweigerlich auftreten,
auskuriert sein, hoffen die Militärs in Wien.
[*] Darüber hinaus weist das Verteidigungsministerium Günther
Platters darauf hin, dass die Einhaltung sämtlicher Leistungsstandards
vertraglich garantiert sei. Im Extremfall könnte es nach erfolgloser
Aufforderung zur Sanierung eines Problems zu einer "Ersatzvornahme"
kommen. Das heißt, Österreich könnte/müsste unter
Verrechnung aller dadurch entstehenden Kosten an EADS andere Abfangjäger
bestellen. Ein Ausstieg Österreichs aus dem Vertrag wäre -
ohne dass die andere Seite wesentliche Teile nicht erfüllt - mit
Pönalezahlungen verbunden, wie im Verteidigungsressort bestätigt
wird. Über die Höhe der Summe schweigt man sich aus.
[*] Abgesehen davon sorgen Kritikpunkte aus dem Rohbericht des deutschen
Rechnungshofs (ohne Stellungnahme des Verteidigungsministeriums), die
die Leistung des Eurofighters generell in Zweifel ziehen, für Kopfschütteln
unter Militärexperten. Es gibt tatsächlich teilweise erhebliche
Verzögerungen im Zeitplan des Eurofighter-Projekts. Bei Basisfähigkeiten
(beispielsweise Fliegen im Winter) fehlt daher noch die staatliche Zertifizierung.
Prototypen sind aber natürlich längst auch bei Minusgraden
geflogen. Es fehlt eben bis dato das Siegel der deutschen Luftfahrtbehörde,
dass diese Leistung auch unter strenger amtlicher Kontrolle erbracht
wurde. Bis 2005 sei der Eurofighter jedenfalls voll einsatzfähig
- schreibt nicht Verkäufer EADS, sondern das deutsche Verteidigungsministerium
in einer Stellungnahme. Österreich werden 2007 erste Jets geliefert.
Der mit Abstand teuerste Kauf für das Bundesheer zieht Vorwürfe
aller Art nachgerade magisch auf sich. Ein Grund liegt wohl auch darin,
dass sich die Regierung nicht der Mühe unterzogen hat, genauer
zu erklären, weshalb die Typenentscheidung so und nicht anders
erfolgt ist. Fortsetzung folgt daher. Mit Garantie.
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