TYPHOONS ÜBER SARDINIEN

28. Juli 2014

BUNDESHEER, REPORTAGEN

Österreichische Eurofighter Typhoon auf Sardinien © BundesheerÖsterreichische Eurofighter Typhoon auf Sardinien © Bundesheer

Donnergrollen im gesperrten Luftraum vor Sardinien. Im Juli 2014 befinden sich rund 40 Eurofighter Typhoon aus Italien, Deutschland und Österreich zum Luftkampftraining auf der Decimomannu Air Base. Auf dem Stundenplan der Österreicher und einem Teil der deutschen Piloten steht ein Luft-Luft Scharfschießen mit der Bordkanone. Eine solche Übung ist innerhalb Österreichs undenkbar.

Sardinien gehört zu Italien und ist die zweitgrößte Insel im Mittelmeer. Die Decimomannu Air Force Base liegt rund 20 Kilometer nördlich der sardischen Hauptstadt Cagliari und ist Heimat des Trainingszentrums AWTI (Air Weapons Training Installation). Die Einrichtung wurde kurz nach dem 2. Weltkrieg von Italien, Deutschland, Großbritannien und Kanada gegründet und wird heute noch von Italien und Deutschland genutzt. Deutschland hat sein “Taktisches Ausbildungskommando der Luftwaffe in Italien” (TaktAusbKdoLw IT) in “Deci” stationiert, wie der Stützpunkt im Fliegerjargon genannt wird.

AIR-2-AIR GUNNERY

Am 9. Juli 2014 landeten fünf Eurofighter Typhoon der österreichischen Luftstreitkräfte in Deci, um an einem deutsch-österreichischen Scharfschießen mit der Bordkanone teilzunehmen – in Fliegerdeutsch: Air-2-Air Gunnery. Die deutschen Teilnehmer am Schießen stammten vom Taktischen Luftwaffengeschwader 74 (TaktLwG 74) aus Neuburg an der Donau, die im an Österreich angrenzenden süddeutschen Luftraum für die Alarmrotte zuständig sind. Sie waren mit sechs Typhoons angereist. Das heimische Überwachunggeschwader überstellte die Maschinen 7L-WB, 7L-WC, 7L-WE, 7L-WF und 7L-WM. Logistische Unterstützung leisteten Hercules 8T-CB und 8T-CC sowie die Saab 105OE RH-28, die derzeit als 4-Sitzer konfiguriert ist.
Personell setzte sich das österreichische Kontingent hauptsächlich aus Soldaten des Kommandos Luftraumüberwachung, der Fliegerwerft 2, des Überwachungsgeschwaders und des Radarbataillons zusammen. Zur Unterstützung waren Spezialisten vom Führungsunterstützungszentrum, vom Kommando Einsatzunterstützung, vom Kommando Luftunterstützung sowie vom Materialstab Luft in das Kontingent integriert.
Es ist das erste Mal, dass österreichische Typhoons an einer scharfen Schießübung gegen Luftziele teilnehmen. In Österreich ist ein solches Training aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Es fehlt hierzulande auch an einer ähnlich professionellen Zieldarstellung, wie das in Deci durch die GFD GmbH (ehem. Gesellschaft für Flugzieldarstellung mbH) mit ihren vier für dieses Training abgestellten Learjets betrieben wird. Damit das Training möglichst effizient und kostengünstig durchgeführt werden konnte, blieben die fünf Maschinen in Deci, während die EF Besatzungen im Rotationsprinzip ausgetauscht wurden.

VORBEREITUNG

Die Schießverlegung nach Sardinien wurde sorgfältig vorbereitet. Am Truppenübungsplatz Allentsteig wurden bereits Luft-Boden-Schießübungen mit der Bordkanone durchgeführt – seit September 2013 auch auf dem Truppenübungsplatz Seetaleralpe.
Vorraussetzung für den Einsatz von Eurofightern im Ausland (oder an einem heimischen Ausweichflughafen) war es, die für den Betrieb des komplexen Systems erforderliche Logistik verlegefähig zu machen. Dafür wurde ein lufttransportfähiger Container angeschafft und zunächst innerhalb Österreichs erprobt – z.B. in Innsbruck und Linz-Hörsching.
Im September 2013 erfolgte schließlich die erste Verlegung von zwei Typhoons ins Ausland. 7L-WD und 7L-WE nahmen mit einer C-130 an der Leuchars Airshow 2013 in Schottland teil und begeisterten das Publikum (siehe Video).
Mit dem Saab J-35OE Draken wurde übrigens in Vidsel im Norden Schwedens scharf geschossen und im britischen Waddington der Luftkampf trainiert.

IMPRESSIONEN

Auf der Suche nach Aufnahmen der österreichischen Jets auf Sardinien haben wir Kontakt mit lokalen Spottern aufgenommen, die es glücklicherweise auch rund um Decimomannu gibt. Freundlicherweise wurden uns einige großartige Aufnahmen von den Österreichern und ihren deutschen Trainingspartnern zur Verfügung gestellt. Bitte die Copyrightinfos und die Links am Seitenende beachten.

BORDKANONE MAUSER BK 27

Die Bordkanone des Eurofighter Typhoon befindet sich an der rechten Tragflächenwurzel. Die Mündung der Bordkanone ist hinter einer aerodynamisch geformten Abdeckung verborgen, die entweder abgenommen wird oder mit dem ersten Schuss verschwindet.
Die Mauser BK 27 ist eine einläufige, vollautomatisch gasgetriebene Revolverkanone im Kaliber 27 mm. Sie zeichnet sich durch eine äußerst kompakte Bauweise und ein geringes Gewicht aus. Dafür ist die gurtgliedlose Munitionszuführung und die Hülsenrückführung in die freigewordenen Plätze der Munitionstransportkette verantwortlich.
Gleichzeitig ist die BK 27 eine sehr leistungsstarke Waffe. In der ersten Sekunde feuert die Kanone 28 Geschosse mit einem Gesamtgewicht von 7,4 kg ab – weit mehr als die sechsläufige M61 GAU-4 20 mm Vulcan der F-15 Eagle und der F-22 Raptor, denn diese muss erst “hochfahren”, bevor ihre höhere Schussfolge zu tragen kommt.
Die BK 27 findet im Panavia Tornado, im Alpha Jet, in der Saab JAS-39 Gripen und im Eurofighter Typhoon Verwendung. Für den Typhoon wurde eine verbesserte Version mit höherer Zuverlässigkeit entwickelt. Das Magazin des Typhoon fasst 150 Schuss.

Die Bordkanone hat auch im Lenkwaffenzeitalter ihren Platz. Im Luftpolizeidienst über Österreich ist die Kanone eine wirksame Waffe, da die Entfernungen aufgrund der Notwendigkeit zur Identifizierung des Flugzeuges ohnehin gering sind. Die Waffe ist gegen jedes Luftfahrzeug einsetzbar – auch in asymmetrischen Einsätzen – vom Paragleiter über Kampfjets bis zu den größten Transportfliegern. Man kann auch Warnschüsse abgeben, bevor man gezielt feuert. Die BK 27 ist aufgrund des Ausrüstungsstandes der österreichischen Typhoons auch die einzige Möglichkeit, Bodenziele zu bekämpfen.

Technische Daten Mauser BK 27
Hersteller: Rheinmetall Defence
Typ: Gasgetriebene Revolverkanone
Kaliber: 27 mm x 145
Feuergeschwindigkeit: 1.700 oder 1.000 Schuss/min (kann Pilot einstellen)
Mündungsgeschwindigkeit: 1.025 m/s
Mündungsenergie: 136.600 Nm
Effektive Reichweite: > 2,7 km
Gesamtlänge: 2,31 m (Lauflänge: 1,4 m)
Gewicht: 102,5 kg (inkl. Rohr, ohne Munition)

Folgende Munitionsarten können wahlweise mischbar mit der Mauser BK 27 Bordkanone verschossen werden:
Luft-Luft-Munition
Spreng-Explosiv-Munition mit Aufschlagzünder (HE)
Spreng-Explosiv-Munition, Selbstzerleger (HE)
Luft-Boden-Munition
Panzerbrechende Munition, Vollkaliber (AP)
Halbpanzerbrechende Explosiv-Munition mit Bodenzünder (APHE)
Halbpanzerbrechende Explosiv-Munition, Selbstzerleger (APHE)
Mehrzweckmunition
Halbpanzerbrechende Mehrzweck-Explosiv-Munition (SAPHE)
Mehrzweck-Explosiv-Munition (MP/PIE)
Übungsmunition
Übungsmunition ohne Leuchtspur (TP)
Übungsmunition mit Leuchtspur (TP-T)
Übungsmunition mit reduziertem Abprallverhalten und verringertem Gefahrenbereich (TP-FP)

Weiterführende Links:

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