SCHWARZENEGGERS’ M47 PATTON

3. Januar 2012

BUNDESHEER, REPORTAGEN

Arnold Schwarzenegger in seinem Kampfpanzer M47 Patton '331'Arnold Schwarzenegger in seinem Kampfpanzer M47 Patton ‘331’
© schwarzeneggertankwatch.com

Arnold Schwarzenegger war nicht nur Bodybuilder, Hollywood-Schauspieler und Gouverneur von Kalifornien, sondern auch Grundwehrdiener beim Österreichischen Bundesheer. Zu seinem damaligen Kampfpanzer M47 Patton hat er eine ganz besondere Beziehung.

Arnold Alois Schwarzenegger wurde am 30. Juli 1947 in Thal (Steiermark) geboren. Wie jeder männliche Staatsbürger war auch Schwarzenegger wehrpflichtig und wurde als 18-jähriger vom Heer eingezogen. Zwischen Oktober 1965 und Juni 1966 leistete er beim damaligen Panzerbataillon 4 in Graz-Wetzelsdorf seinen Grundwehrdienst ab. Beim Heer wurde er zum Panzerfahrer für den mittleren Kampfpanzer M47 Patton ausgebildet.

Seine wahre Leidenschaft war damals schon das Bodybuilding, das Schwarzenegger seit seinem 17. Lebensjahr wettkampfmäßig ausübte. Zur Teilnahme an den Juniorenmeisterschaften von “Mr. Europe” leistete er sich sogar eine unerlaubte Abwesenheit. Er gewann den Wettbewerb, wurde aber nach seiner Rückkehr in die Kaserne für einige Tage unter Arrest gestellt. Allzu sehr schadete ihm sein Ausflug jedoch nicht. Die Ausbilder waren durchaus Stolz auf ihren Muskelprotz – wo sonst zwei bis drei Mann zum Wechseln einer Laufrolle benötigt wurden, werkte die “Steirische Eiche” zuweilen auch allein.
Schwarzenegger durfte von 15 bis 18 Uhr in einer eigens für ihn eingerichteten Fitness-Ecke in einer Panzer-Lagerhalle trainieren. Es gelang ihm während seines Grundwehrdienstes etwa 12 kg Muskelmasse anzutrainieren. Um die dafür erfoderlichen Proteine zu bekommen gab es auch mindestens einmal pro Woche Fleisch – 1965 war das keine Selbstverständlichkeit.

Etwa ein Jahr nach dem Abrüsten gewinnt Schwarzenegger als jüngster Bodybuilder aller Zeiten den Titel “Mr. Universe” und legt damit den Grundstein für seine weitere Karriere. “Mr. Universe” wird er insgesamt fünf Mal, bevor er endgültig in Hollywood Fuß fasste. Doch das ist eine andere Geschichte …

RETTUNG VOR DER SCHROTTPRESSE

Sprung ins Jahr 1992. Schwarzenegger ist längst Hollywood-Star und der M47 beim Bundesheer außer Dienst gestellt worden. Einige M47 Türme wurden zur Raumverteidigung stationär in Feste Anlagen eingebaut. Doch auch der Eiserne Vorhang war 1992 bereits Geschichte und die Festen Anlagen obsolet. Angeblich lies Schwarzenegger nun nach seinem Panzer ‘331’ suchen. Das Bundesheer zeigte sich kooperativ und fand ihn, bis zum Turm eingegraben, nahe der ungarischen Grenze. So die hier veröffentlichte Geschichte. Tatsächlich wurden nur die Panzertürme für die Bunkeranlagen verwendet. Ob daher Turm und Fahrgestell wirklich beide von Schwarzeneggers ‘331’ kommen ist nicht gesichert. Wie auch immer: Arnold rettete (s)einen M47 vor der Schrottpresse.

Der “Terminator” bekam den Panzer gratis, musste allerdings etwa 22.000 Dollar in die Demilitarisierung und Instandsetzung durch die Techniker des Bundesheeres investieren. 1994 erfolgte der Transport in die USA. Dort diente das 46 Tonnen Ungetüm in Bundesheer-Lackierung als Attraktion vor Schwarzeneggers Restaurants – zunächst in Santa Monica, Kalifornien. 1999 wurde das Fahrzeug vor dem neu eröffneten Planet Hollywood Restaurant im Easton Center in Columbus (Ohio) aufgestellt. In den Jahren 2000 bis 2008 wurde er im Motts Military Museum in Groveport, Ohio, als Hauptattraktion ausgestellt.

Doch der M47 war für seinen Besitzer mehr als nur ein Marketinggag. Laut Schwarzenegger selbst spricht das Panzerfahren jenen Teil seiner Persönlichkeit an, der immer schon von Stärke und Kraft bewegt wurde.
Im Februar 2008 holte Schwarzenegger den Panzer zu sich nach Kalifornien. Wie jüngste Filmaufnahmen (siehe “Weiterführende Links”) zeigen, ist er immer noch fahrbereit und wird vom “Gouvernator” selbst bewegt. Vor kurzem wurde die “Schwarzenegger Tank Watch” vorgestellt, deren Design sich an den Instrumenten des M47 orientieren soll (siehe Fotogalerie). Am Ziffernblatt die Bezeichnung “M47-331” und das Hoheitsabzeichen des Österreichischen Bundesheeres. Der aus dem Verkauf der Uhr erzielte Erlös kommt der wohltätigen Organisation “After-School All-Stars” zugute.

PANZERBATAILLON 4

“Schwarzeneggers'” Panzerbataillon 4 wurde am 21. Juli 1956 in Hörsching aufgestellt und war ab 5. September 1956 in Graz-Wetzelsdorf (Belgier-Kaserne) stationiert. Der Verband rüstete erst im September 1965 vom britischen Kampfpanzer Charioteer auf den Kampfpanzer M47 Patton um. Somit war Arnie einer der ersten M47 Fahrer beim PzB4. Das Bataillon gliederte sich zu diesem Zeitpunkt in eine Stabskompanie, der 1. und 2. Panzerkompanie mit je 3 Zügen zu je 5 Panzern und der 3. Ausbildungskompanie. Bis 1977 diente der M47 beim PzB4, bevor der Verband auf den neuen Jagdpanzer Kürassier umrüstete und in Jagdpanzerbataillon 4 umbenannt wurde.

MITTLERER KAMPFPANZER M47 PATTON

Der US-amerikanische Kampfpanzer M47 Patton war eine Notlösung. Die US Army entwickelte gerade den Typ T42 Kampfpanzer, als der Korea-Krieg nach einem rasch verfügbaren Panzer verlangte. Daher pflanzte man im Detroit Tank Arsenal den fertig entwickelten Turm des T42 auf das Fahrgestell des bereits eingeführten M46. Im Prototypstadium wurde das Fahrzeug noch als M-46E1 bezeichnet. Die Produktion des M47 lief nur von Juni 1951 bis November 1953. Dennoch wurden insgesamt 8.576 Stück im Detroit Tank Arsenal und bei der American Locomotive Company (Alco) gefertigt. In den USA wurde der M47 bereits nach wenigen Monaten durch den M48 Patton II abgelöst. Der Patton I war unter US Kommando weder in Korea noch in einem anderen Einsatz. In vielen anderen Staaten stand der M47 allerdings noch mehrere Jahrzehnte lang in Verwendung und an mehrerern Kriegsschauplätzen im Einsatz. Südkorea hatte im Jahr 2010 immer noch einige hundert M47 in Langzeit-Materialerhaltung.

Beim Österreichischen Bundesheer wurden ab dem Jahr 1957 insgesamt 153 Pattons aus der Fertigung bei Alco eingeführt. Geschätzt wurde der Typ aufgrund seiner Kampfkraft, doch der enorme Treibstoffverbrauch von 700 Liter Superbenzin auf 100 km (unter guten Bedingungen!) schränkte die Reichweite stark ein. Die Betriebskosten waren enorm und die 5-köpfige Besatzung und das Bug-MG waren schon bei Einführung des Typs nicht mehr zeitgemäß.
Der M47 Patton wurde beim Bundesheer durch den Kampfpanzer M60 bzw. auch den Jagdpanzer Kürassier ersetzt. Ab 1972 wurden zahlreiche Türme in Feste Anlagen eingebaut, während die Fahrgestelle verschrottet wurden.

Die technischen Daten des mKPz M47 Patton sowie zahlreiche weitere Abbildungen finden Sie in unserem Typenblatt.

Mittlerer Kampfpanzer M47 Patton des Panzerbataillons 4
Weiterführende Links:

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