OH-58 KIOWA ABGESTÜRZT

27. Juni 2014

BUNDESHEER, NEWS

Wrack des verunglückten OH-58B Kiowa an der Absturzstelle © BundesheerWrack des verunglückten OH-58B Kiowa an der Absturzstelle © Bundesheer

Am 17. Juni 2014 um etwa 13:00 Uhr verunglückte ein Hubschrauber des Typs Bell OH-58B Kiowa des Österreichischen Bundesheeres im Raum Wattener Lizum, südlicher Schober, in Tirol. Dabei kam ein Soldat ums Leben, zwei weitere wurden schwer verletzt.

Bei dem Todesopfer handelt es sich um den 30-jährigen Luftbildner Martin K., einem Stabswachtmeister aus Niederösterreich. Zwei weitere Insassen überlebten schwer verletzt. Die 28-jährige Einsatzpilotin und ein 35-jähriger Luftbildner – ebenfalls beide aus Niederösterreich – wurden vor Ort medizinisch erstversorgt und in ein Krankenhaus geflogen, wo beide operiert werden mussten. Am 18. Juni 2014 wurde bekannt gegeben, dass die beiden Verletzten nicht in Lebensgefahr sind. Nähere Angaben zum Gesundheitszustand wurden aus Respekt vor der Privatsphäre der Betroffenen nicht gemacht.

Die Maschine, der Bell OH-58B Kiowa mit der Kennung 3C-OG und der Werksnummer 42245, dürfte den Fotos nach ein Totalschaden sein und wird aller Voraussicht nach nicht ersetzt.

Auf Grund des von der Pilotin nach dem Absturz abgesetzten Notrufs ging man beim Heer zunächst von einer “harten Landung”, d.h. von einem ungeplanten, sehr harten Aufsetzen am Boden aus.
Der Unfall ereignete sich im Zuge der Großübung “SCHUTZ 2014”, die daraufhin sofort abgebrochen wurde. Der Hubschrauber war offensichtlich auf einem Luftbild-Aufklärungsflug.

KLÄRUNG DER UNFALLURSACHE

Bereits kurz nach dem Absturz nahm eine Flugunfallkommission vor Ort ihre Arbeit auf, um die Absturzursache zu klären. Da die Maschine alleine unterwegs war wurde der Unfallhergang nicht beobachtet. Bekannt wurde bisher nur, dass die Turbine beim Eintreffen der Rettungskräfte noch gelaufen ist.
Wie bei Unfällen dieser Art üblich, wurden auch ein gerichtlich beeideter Sachverständiger und ein Technikexperte hinzugezogen. Nach der Freigabe des Wracks durch die Kommission und die Staatsanwaltschaft wurde es am 18. Juni 2014 per Luft-Transport in das Bundesheer-Lager Walchen am Übungsplatz Wattener-Lizum abtransportiert. Dort beginnt die eigentliche Arbeit der Untersuchungskommission. Der Rumpf wurde mit einem Black Hawk, kleinere Teile mit einer Alouette III geborgen.

Die Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden funktionierte laut Bundesheer reibungslos. Vom Eingang des Notrufs bis zur Aktivierung der Rettungskette vergingen nur zwei Minuten. Etwa eine halbe Stunde später waren ein militärischer und zwei zivile Rettungshubschrauber vor Ort und konnten Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten.

UPDATE 24.11.2014: Der Kurier berichtet am 21.11.2014 in seiner Online-Ausgabe, dass die Pilotin aufgrund ihrer Verletzungen erst am 20.11.2014 die Rehaklinik verlassen konnte. Ein technischer Defekt wird laut Untersuchungsbericht als Absturzursache ausgeschlossen. Möglicherweise führte eine Verkettung unglücklicher Umstände zum Absturz der Maschine.

UPDATE 16.06.2015: Absturzursache war lt. Pressemeldung des BMLVS die fehlende Steuerungsfähigkeit des Heckrotors (LTE – “loss of tail-rotor effectiveness“). Dieses Phänomen wurde durch mehrere Faktoren verstärkt: Der Hubschrauber befand sich im Landeanflug, daher war die Flughöhe gering und die Geschwindigkeit niedrig. Der Absturz ereignete sich auf ca. 2.100 m Seehöhe und damit im oberen Höhenspektrum des Helikopters. Er war darüber hinaus bis zur erlaubten Gewichtsgrenze beladen und es herrschten ungünstige Windverhältnisse. Ein Absturz war unter diesen Bedingungen nicht zu vermeiden. Das stellte die Flugunfallkommission, die u.a. aus Piloten, Flugsicherheitsoffizieren, einem Juristen, Mediziner, Flugtechniker, Meteorologen und Psychologen besteht, im mehreren Sitzungen fest. Die schwer verletzte Pilotin ist wieder dienstfähig, der ebenfalls schwer verletzte Soldat befindet sich nach wie vor in Rehabilitation. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ist noch zu keinem Ergebnis gekommen.

UPDATE 13.08.2015: Die Staatsanwaltschaft Innsbruck bestätigt die Einschätzung der Flugunfallkommission des Bundesheeres, wonach LTE die Absturzursache war. Der Pilotin kann keinerlei Fehlverhalten vorgeworfen werden und die Ermittlungen werden eingestellt.

BELL OH-58B KIOWA

Das Österreichische Bundesheer führte 1976 zwölf damals fabrikneue Bell OH-58B Kiowa als leicht bewaffnete Aufklärungs- und Verbindungshubschrauber ein. Die Kiowas besitzen einen 2-Blatt-Haupt- und Heckrotor mit freiliegender Heckrotorwelle, ein Kufenlandegestell. Sie sind für fünf Personen zugelassen. Die Kiowastaffel (offiziell: Mehrzweckhubschrauberstaffel – MzHSSt) des Luftunterstützungsgeschwaders ist in Langenlebarn (NÖ) stationiert.

Im Februar 1992 gab es bereits einen Flugunfall, bei dem die Maschine 3C-OF zerstört wurde. Auch damals war ein Todesopfer zu beklagen. In der Folge wurde eine konstruktionsbedingte Neigung zu einem Strömungsabriss am Heckrotor als Unfallursache ermittelt und die Verhaltensregeln für Kiowa-Besatzungen entsprechend angepasst. Laut Bericht der Unfallkommission dürfte sich 2014 ein ähnlicher Vorfall ereignet haben.

ERSTER FLUGUNFALL NACH ÜBER 10 JAHREN

Im Schnitt etwa einmal pro Jahr kommt es in Österreich zu Hubschrauberabstürzen mit Todesopfern. Die heimische Militärfliegerei ist in jüngerer Vergangenheit jedoch sehr sicher geworden. Mit dem tragischen Flugunfall am 17. Juni 2014 endete eine beeindruckend lange Periode ohne schweren Flugunfall der Luftstreitkräfte (Hubschrauber und Flächenflugzeuge). Das Jahr 2013 war das 10. Jahr ohne Totalschaden eines Luftfahrzeuges und das 13. Jahr ohne Todesfall im Flugbetrieb.
Die heimischen Besatzungen und Techniker sowie das Flugsicherheitspersonal haben damit einen im internationalen Vergleich höchst beachtlichen Sicherheitslevel unter Beweis gestellt. Dabei haben Österreichs Luftstreitkräfte aufgrund der topographischen Gegebenheiten und der laufenden Spar-Budgets nicht unbedingt beste Voraussetzungen für Sicherheitsrekorde.

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