NEUE HEERESSTRUKTUR GEPLANT

11. Juni 2016

BUNDESHEER, NEWS

Bundesheer Neu © BundesheerDie neue Struktur wird schlicht “Bundesheer Neu” genannt © Bundesheer

Die nächste große Heeresreform ist im Anrollen. Verteidigungsminister Hans-Peter Doskozil (SPÖ) will dem Heer seinen Stempel aufdrücken und präsentierte am 10. Juni 2016 seine Vorstellung vom “Bundesheer Neu”. Am 05. Juli 2016 stimmte der Ministerrat der Reorganisation zu.

Die Landstreitkräfte werden in Krisenreaktionskräfte (die bisherigen Brigaden) und in Territorialkräfte gegliedert. Das Heer wird dadurch dezentralisiert. Die Kaderpräsenzeinheiten sollen bis 2020 von 2.200 auf 6.000 Soldatinnen und Soldaten erhöht werden.

KRISENREAKTIONSKRÄFTE

Die Krisenreaktionskräfte werden aus den bisherigen Brigaden gebildet und stark spezialisiert.

Die 7. Jägerbrigade (Klagenfurt) wird zur leichten Brigade. Sie ist für Stabilisierungseinsätze im Ausland und zur Unterstützung von Inlandsaufgaben (Ergänzung Kdo Schnelle Einsätze)  vorgesehen. Die Einheiten sind luftlandefähig (lufttransportfähig).

Die 4. Panzergrenadierbrigade (Hörsching) wird zur “schweren Brigade” – hier werden alle mechanisierten Truppen – d.h. Kampfpanzer und Schützenpanzer – zusammengezogen. Sie ist für besonders robuste Aufgaben im In- und Ausland vorgesehen und für den Fähigkeitserhalt im Bereich der schweren Waffen zuständig.

Die 3. Panzergrenadierbrigade wird zum Kommando Schnelle Einsätze (Mautern). Sie stellt auf Knopfdruck Einheiten für Einsätze im In- und Ausland bereit und ist auf den Einsatz im urbanen Gelände spezialisiert. Hauptaufgabe ist die Unterstützung der Abwehr terroristischer Bedrohungen und die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung in einer Terrorsituation, in der mit den Sicherheitskräften (BMI) nicht das Auslangen gefunden wird. Die Militärpolizei wird dafür ausgebaut. Die Dritte gibt somit auch die Schützenpanzer ab.

Die 6. Jägerbrigade wird zum Kommando Gebirgskampf (Absam) und spezialisiert sich auf Einsätze im Mittel- und Hochgebirge. Das Kdo koordiniert die Ausbildung der gebirgsbeweglichen Truppen des Bundesheeres.

Bundesheer Neu - KrisenreaktionskräfteBundesheer Neu – Krisenreaktionskräfte © Bundesheer

TERRITORIALKRÄFTE

Die Territorialkräfte werden von den neun Militärkommandos getragen. Jedem einzelnen wird ein Jägerbataillon unterstellt, dass in der Folge auch für die Ausbildung der Grundwehrdiener und für die Miliz verantwortlich ist – inkl. der 12 neuen Milizkompanien. Dafür werden – erstmals nach 38 Jahren – drei neue Infanteriebataillone aufgestellt. Zwei weitere entstehen durch Reorganisation. Das Bundesheer wird dadurch wesentlich dezentralisiert.

Bundesheer Neu - TerritorialkräfteBundesheer Neu – Territorialkräfte © Bundesheer

ZENTRALSTELLE

Das Ministerium selbst – die so genannte Zentralstelle – soll verschlankt werden. Weniger Sektionen und weniger Personal. Sektion I für Recht und Personal. Sektion II für die Sportagenden. Die Sektionen III für Bereitstellung und IV für Einsätze werden dem Generalstabschef und seiner Generalstabsdirektion unterstellt.

Doskozils "Bundesheer Neu" Doskozils “Bundesheer Neu” © Bundesheer

DER FAHRPLAN

Es handelt sich um eine umfassende Neuorganisation, die der Minister nicht im Alleingang beschließen kann. Nach der Befassung im Nationalen Sicherheitsrat segnete am 5. Juli 2016 der Ministerrat die Reform ab. Inkrafttreten soll die neue Struktur dann im Jänner 2017.

EIN GROSSER WURF?

Laut Verteidigungsministerium sollen durch Doskozils “Bundesheer Neu” “die Einsatzkräfte gestärkt und Abläufe im Heer verbessert werden. Darüber hinaus soll nun besser auf aktuelle und erwartbare Bedrohungen reagiert werden können.
Das haben wohl alle anderen Reformer der letzten Jahrzehnte auch erreichen wollen. Zumeist wurde nach ein paar ersten (billigen) Maßnahmen die Reform bereits von der nächsten Umstrukturierung abgelöst.
Ob diesmal mehr möglich sein wird muss sich noch zeigen – dazu ist noch zu wenig bekannt. Beispielsweise kann ein Bataillon völlig unterschiedlich aufgebaut sein – und die Organisationpläne (OrgPlan) der künftigen Einheiten sind nicht bekannt.

Durch die Infanteriebataillone der Militärkommandos entstehen jedenfalls Parallelstrukturen außerhalb der bisherigen Brigaden. Das Steitkräftekommando wird in Kdo Land- und Kdo Luftstreitkräfte geteilt. Das man auf diese Weise effizientere Führungsstrukturen als derzeit aufbaut liegt nicht auf der Hand.
Die Spezialisierung von Einheiten ist ein interessanter Ansatz und im übrigen wohl auch eine Folge der knappen Budgetmittel – umfassend ausgerüstete und ausgebildete Verbände sind einfach teuerer.
Den Ausbau der Berufsheer-Komponente will man durch das Versprechen von Lebensanstellungen erreichen. Das ist zweifellos für viele BewerberInnen attraktiv, führt aber ebenso sicher zu Überalterung und steigenden Personalaufwand.

Wir verweisen an dieser Stelle für weitere Informationen an das Infomodul auf bundesheer.at:

PS: Das Jagdkommando kommt in obigen Darstellungen nirgends vor. Eine Auflösung bedeutet das jedoch nicht. Hat man wohl einfach vergessen…

Share

, ,

BLEIBEN WIR IN VERBINDUNG!

Abonnieren Sie unsere Updates oder melden Sie sich [hier] für unseren eMail Newsletter an.