DIE NEUE DONAUFLOTTILLE

6. November 2013

BUNDESHEER, NEWS

Typenboot des neuen Sturm- und Flachwasserbootes des Bundesheeres © Marine AlutechTypenboot des neuen Sturm- und Flachwasserbootes des Bundesheeres © Marine Alutech

In den vergangenen Jahrzehnten führten die Wasserfahrzeuge des Österreichischen Bundesheeres eher ein Schattendasein. Die beiden Patrouillenboote Niederösterreich und Oberst Brecht schieden im November 2006 aus dem aktiven Dienst aus. Übrig blieb eine kleine Flotte aus M-Booten, Pionierbooten, Sturmbooten und Zillen, die zum Teil nur mehr von der Lackierung zusammengehalten wurden. Nun wird aber in das schwimmende Gerät investiert. Es werden erstmals seit Jahrzehnten fabrikneue Boote beschafft.

Der dringend erforderliche Modernisierungsschub der “Donauflottille” des Österreichischen Bundesheeres wurde bereits im Juli 2009 mit der Vorstellung eines “Katastrophenschutzpakets” eingeleitet. Doch erst heute sind Ergebnisse sichtbar. Beschafft werden zeitgemäße, mehrzweckfähige Arbeitsboote und schnelle Sturmboote für taktische Aufgaben. Die Boote sind deutlich größer und leistungsfähiger als die bisher verwendeten Pionier- und Sturmboote.

Ursprünglich sollte ein Bootstyp beide Aufgaben erfüllen. Im April 2011 wurden 30 “Spezialboote” ausgeschrieben (davon 12 Stück optional). Im August 2011 wurde widerrufen. Im Jänner 2012 wurde die Ausschreibung wiederholt und die Beschaffung in Arbeits- und Transportboote sowie in Sturm- und Flachwasserboote geteilt. An ein Tragtier werden eben etwas andere Anforderungen gestellt als an ein Rennpferd.

ARBEITS- UND TRANSPORTBOOT

Das Arbeits- und Transportboot dient dem militärischen Arbeitseinsatz über Wasser sowie dem Mannschafts- und Gerätetransport. Die heimische ÖSWAG setzte sich im Vergabeverfahren mit einer maßgeschneiderten Neuentwicklung durch. Das Boot verfügt über einen verstärkten Aluminium-Rumpf sowie über eine elektrische Bugklappe, um das Ein- und Aussteigen an unbefestigten Ufern zu erleichtern. Die Rampe ist sicherlich auch beim Einsatz als Taucher-Plattform von Vorteil. Laut Erprobung benötigt der Bootskörper nur 0,4 m Wasser unter dem Kiel. Gemeinsam mit dem Jet-Antrieb, der anstelle einer verletzlichen Schiffsschraube Verwendung findet, kann das Boot nahe an unverbaute Ufer heranfahren und auch in überfluteten Gebieten eingesetzt werden. 18 Boote werden um 3,6 Mio. Euro (netto) beschafft (+ Option auf 6 Boote).

Hersteller: ÖSWAG Werft Linz AG Nfg. GmbH & Co KG
Besatzung: 2 Mann
Abmessungen: Länge: 8,7 m / Breite: 2,5 m
Antrieb: Steyr Marine Innenbord-Dieselmotor 196 kW (266 PS); Hamilton Jet-Antrieb
Geschwindigkeit: max. 50 km/h
Max. Zulandung: 1.800 kg oder 12 Personen
Ausstattung: Raymarine Multifunktionsdisplay, Radar, GPS Moving Map, Echolot, Donaufunk, militärische Funkgeräte, Suchscheinwerfer, Arbeitslichter, Lautsprechersystem, Bootsanhänger

Seit Ende Juni 2013 wird der Prototyp gemäß Pflichtenheft der Ausschreibung überprüft bzw. getestet. Im Zuge des Nationalfeiertags 2013 (26. Oktober 2013) wurde das Arbeits- und Transportboot der Öffentlichkeit vorgestellt.

STURM- UND FLACHWASSERBOOT

Auch das Sturmboot verfügt über einen verstärkten Aluminium-Rumpf und über einen Jet-Antrieb. Die ÖSWAG schaffte es wieder in die Endauswahl – neben Lehmar Boote (Deutschland) und Marine Alutech (Finnland). Diesmal machten jedoch die Finnen das Rennen. Marine Alutech Oy Ab ist ein ausgewiesener Spezialist für militärisch genutzte Boote bis hinauf zum Hochsee-Patrouillenboot. Für das Bundesheer wurde der bei mehreren Armeen eingeführte Typ Watercat M8 “G-Boat” zum Watercat M9 weiterentwickelt. Das Boot soll für taktische Aufgaben wie etwa schnelle Übersetzungen, den Patrouillendienst oder Eskortierungsaufgaben eingesetzt werden. Statt ursprünglich 12 geplanten Booten wurden 20 Stück in Finnland bestellt (+ Option auf 4 weitere Boote). Der Kaufpreis beträgt 3,78 Mio. Euro (netto). Die Sturmboote sollen 2014 ausgeliefert werden. Derzeit befindet sich das Typenboot in Finnland zur Erprobung.

Beim Bundesheer wird das Pionierbataillon 3 (die “Melker Pioniere”) für die Sturmboote verantwortlich sein. 12 Boote werden dann auch direkt beim PiB3 stationiert werden. Auch die beiden Boote für das Jagdkommando werden in Melk ihren Heimathafen haben. Das Pionierbataillon PiB1 (Villach, Kärnten) und das Pionierbataillon PiB2 (Wals, Salzburg) erhalten jeweils drei Boote.

Hersteller: Marine Alutech Oy Ab
Besatzung: 2 Mann
Abmessungen: Länger über alles: 9,50 m / Länge Wasserlinie: 8,60 m /
Breite: 2,45 m
Tiefgang: 0,50 m
Verdrängung: 4 Tonnen (bei max. Zuladung)
Antrieb: Innenbord-Dieselmotor 190 kW (258 PS), Rolls-Royce FF270 Waterjet, HS80 Getriebe
Geschwindigkeit: > 56 km/h (Reisegeschwindigkeit: > 47 km/h)
Treibstoffkapazität: 200 Liter
Reichweite: 120 nm (nautische Meilen = 222 km)
Max. Zulandung: 8 Personen auf gefederten Sattelsitzen mit ausklappbaren Haltegriffen (inkl. Stauraum in den Sitzen) oder 1.300 kg an Deck
Ausstattung: Raymarine C127 Radar, Donaufunk, militärische Funkausstattung, Suunto C66 Kompass, GPS und Echolot von Raymarine, Lautsprechersystem, Bootsanhänger

Beide Bootstypen wurden mit einem jeweils dazugehörigem Anhänger beschafft, wodurch ein Straßentransport ohne besondere Genehmigung möglich ist. Die Boote können daher bei Bedarf in kurzer Zeit an jedem der zahlreichen Flüssen und Seen Österreichs eingesetzt werden.

WEITERE FLOTTENNACHRICHTEN

Zur Ergänzung der Flottille nach unten wird derzeit auch die Truppentauglichkeit von handelsüblichen Aluminium-Rettungsbooten sowie von stapelbaren Aluminiumbooten getestet. Das Pioniermehrzweckboot ALU mit Außenbordmotor soll das Pionierboot GFK ersetzen.

Im Bereich der Schubboote zum Brücken- und Fährenbau wurden die etwa 60 Jahre alten Boote vom Typ M3D gegen 12 gebrauchte “M-Boot, klein” der Deutschen Bundeswehr ersetzt. Dort wurde der Typ vom leistungsfähigeren M-Boot 3 abgelöst. Seither ist das M-Boot 80, wie die im Jahr 1983 eingeführten Schottel-Boote in Österreich heißen, der einheitliche Standard beim Bundesheer. Der Ersatz gegen moderneres Gerät oder gar der Ankauf von M3 Amphibienfahrzeugen rückt in weite Ferne.

Nach der Auflösung des Pionier-Instituts der Heerestruppenschule (HTS) in Klosterneuburg wird das Pionierbataillon PiB3 in Melk (Birago-Kaserne) zum Heimathafen der Donauflottille werden.
PS: Der Terminus „Donauflottille“ wurde in Anspielung auf die traditionelle Bezeichnung der schwimmenden Einheiten der bewaffneten Macht Österreichs gewählt. Es handelt sich weder um eine derzeit gebräuchliche Bezeichnung, noch soll darüber hinweggetäuscht werden, dass die Pioniere und ihre Wasserfahrzeuge auf allen größeren Flüssen und Seen Österreichs eingesetzt werden können und auch bereits im Auslandseinsatz standen.

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