MEHR PFERDE ALS KAMPFPANZER

17. Juli 2015

BUNDESHEER, NEWS

Reitausbildungzug der MilAk © BundesheerReitausbildungzug der MilAk © Bundesheer

Vor kurzem sorgte eine überraschende Erkenntnis über die britischen Streitkräfte für Aufsehen: Laut den British Forces News vom 13. Juli 2015 stehen etwa doppelt so viele Pferde im Dienst der Royal Army wie sie Kampfpanzer zur Verfügung hat.

485 Pferde dienen beim Household Cavalry Mounted Regiment, bei der King’s Troop Royal Horse Artillery, der Household Division und im Defence Animal Centre. Ihre Aufgaben sind fast ausschließlich zeremoniell.
Laut Angaben Lord Astors of Hever aus dem britischen Verteidigungsministeriums stehen derzeit 227 Kampfpanzer Challenger 2 zur Verfügung (nicht eingerechnet sind 141 Panzerfahrzeuge auf Challenger 2 Fahrgestell: 75 Bergepanzer, 33 Titan Brückenlegepanzer und 33 Trojan Pionierpanzer).

Der Vorsitzende der British Armed Forces Federation (BAFF) legt wert auf die Feststellung: “The figures don’t necessarily mean we have got too many horses, it’s more likely the figures mean we don’t have enough tanks.”
[in etwa: Wir haben nicht notwendiger Weise zu viele Pferde, wahrscheinlicher ist, dass wir nicht genügend Kampfpanzer haben]

UND IN ÖSTERREICH?

Doch wie sieht das Verhältnis in Österreich aus? Ganz ähnlich.

Das Bundesheer reduziert im Zuge der Umsetzung des Strukturpakets ÖBH 2018 die Zahl seiner Kampfpanzer Leopard 2 A4 auf künftig nur noch 40 Stück (1. Vorschlag: 36 Stk.; zuvor 59 Stk., Diskussionen immer noch im Laufen).

Das Tragtierzentrum der 6. Jägerbrigade am Truppenübungsplatz Hochfilzen hat noch 62 Haflinger Pferde im Bestand. Diese werden im Hochgebirge als Tragtiere eingesetzt und übernehmen dort wichtige Transportleistungen, die auch im 21. Jahrhundert nicht mit Hubschraubern oder Überschneefahrzeugen gleichwertig erbracht werden könnten. Hier steht der militärische Nutzen klar vor der Traditionspflege.
Des Weiteren sind 18 Militärpferde in den Stallungen der Theresianischen Militärakademie (MilAk) beheimatet, davon 15 Sportpferde.

Die beiden Ponys des Gardebataillons sind mittlerweile im wohlverdienten Ruhestand. Wachtmeister “Amadeus” und Korporal “Mozart” wurden ohne direkten Zusammenhang mit dem Strukturpaket nach 18 Dienstjahren pensioniert. Sie wurden in einem Bieterverfahren an neue Besitzer versteigert. Wir hoffen sie sind in guten Händen gelandet! Ersetzt werden die Gardeponys nicht, u.a. weil es immer schwieriger wurde, jemanden zu finden, der den Umgang mit den Tieren beherrschte.

Beim Bundesheer dienen daher noch 80 Pferde.

Doch das ÖBH 2018 schlägt auch hier zu: Die Pferde an der MilAk werden derzeit im Wahlsport Reiten sowohl beim Militärrealgymnasium (MilRg) als auch für die Offiziersausbildung eingesetzt. Der Reitausbildungszug bildet Berufsoffiziersanwärter, Frequentanten, Zöglinge und Kadersoldaten nach Vorgabe des Leiters der Reitausbildung zu Reitern aus. Reiten dient nicht nur der Traditionspflege und dem Sport, sondern wird auch als Teil der Persönlichkeitsbildung der Offiziere angesehen.
Der Reitausbildungszug (RAZ) der Akademie ist eine fixe Größe im österreichischen Pferdesport (inkl.  einer Springquadrille als Showact) und das Gelände in Wiener Neustadt ist Austragungsort internationaler Reitsportturniere.
Im Zuge der Reform soll das MilRg geschlossen werden. Für die Offiziersausbildung alleine möchte man die Tiere nicht im Heer halten. Damit wird eine über 260 Jahre alte Tradition enden. Der Befehl die Reitausbildung an der MilAk zu beenden ist bereits ergangen. Versuche, die Pferde für die Ausbildung über den Heeressportverein oder durch private Hand bereitzustellen scheiterten.
Das künftige Verhältnis beträgt dann in etwa 40:62 zugunsten der Haflinger.

Wir meinen: Traditionspflege sollte auch in Streitkräften des 21. Jahrhunderts ihren Platz haben. Sie ist identitätsstiftend. Man muss ja nicht gleich britische Maßstäbe ansetzen. Und: we don’t have enough tanks!

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