LOGICAL DECISION 2011

19. Oktober 2011

BUNDESHEER, REPORTAGEN

Bell OH-58B KiowaZwei Bell OH-58B Kiowa auf Kriegspfad © Gorup / Bundesheer

Hubschrauber spielen bei der Bewältigung militärischer Konflikte eine zentrale Rolle. Sie stellen eine hohe Beweglichkeit der Eingreif- bzw. Friedenstruppe sicher, können große Räume überwachen und sorgen notfalls auch für präzise Feuerunterstützung.

Da es kaum Staaten gibt, die alleine über nennenswerte Hubschrauber-Ressourcen verfügen werden in Krisengebieten zumeist multinationale Hubschrauberverbände gebildet, um die Einsätze der Bodenkräfte wirkungsvoll zu unterstützen. Das Zusammenspiel in einem solchen multinationalen Verbund war das Thema der Übung “Logical Decision 2011“, welche vom 28. August bis 10. September 2011 in Szolnok (Ungarn) stattfand.

In Szolnok konnte unter heißen und staubigen Bedingungen trainiert werden, wie sie für viele (potentielle) Einsatzgebiete typisch sind. In der Sonne herrschten für September beachtliche 45 bis 50 Grad Celsius. Trainiert wurden nicht nur Flüge im gemischten Verband, sondern auch die Zusammenarbeit von Transporthubschraubern mit bewaffneten Helikoptern sowie auch das Zusammenspiel mit Sondereinsatzkräften (SOF – Special Operations Force).

Aktive Teilnehmer an der Logical Decision waren diesmal die Luftstreitkräfte aus Ungarn (Mil Mi 24 Hind, Mil Mi 17 Hip), aus Deutschland (MBB Bo-105) und aus Belgien (Agusta A-109). Österreich nahm mit drei Bell OH-58B Kiowa (3C-OI, 3C-OJ, 3C-OL) und 19 Mann der bewaffneten Mehrzweckhubschrauberstaffel aus Langenlebarn (NÖ) an der Übung teil.  Die Spezialeinsatzkräfte wurden vom ungarischen 34. Special Operations Battalion „Bercsényi László“, Angehörigen eines ungarischen leichten Infanteriebataillons und von einem 12 Mann Team aus Mazedonien gestellt. Mazedonien, die Slowakei, Tschechien und Polen sendeten außerdem noch Beobachter nach Ungarn.

SZENARIO UND AUFGABEN

Der Übung lag ein Szenario zugrunde, das in etwa mit der derzeitigen Situation in Afghanistan vergleichbar ist. Etwa 200 bis 300 Feinddarsteller wurden mit typischen Waffen von Widerstandskämpfern ausgerüstet – vom AK-47 Sturmgewehr, über RPG-7 Granatwerfer bis hin zur tragbaren Boden-Luft-Rakete. Für IED (Sprengfallen) und Selbstmord-Attentäter wurde auch gesorgt.

Die Hubschrauber-Verbände und Spezialeinsatzkräfte wurden in unterschiedlicher Zusammensetzung mit folgenden Missionen betraut:

  • Evakuierung einer abgestürzten Hubschrauber-Crew aus Feindesgebiet einschließlich der Zerstörung des Hubschraubers und sensibler Daten
  • Das Ausschalten terroristischer Gruppen bzw. die Gefangennahme ihrer Anführer durch angelandete Spezialeinsatzkräfte
  • Begleitschutz für Transportflüge und Feuerunterstützung bei Luftlandungen aus der Luft (bei Tag und Nacht)
  • Zusammenarbeit im ‚Scharfen Schuss’ mit einem Joint Terminal Attack Controller (JTAC), der vom Boden aus die Luftnahunterstützung koordiniert. Sowohl als Einzelnation als auch im multinationalen Verband; bei Tag und bei Nacht. Auch dabei wurde der Schwerpunkt auf Einsätze gegen waffentechnisch unterlegene Gegner gelegt (asymmetrische Kriegsführung)
  • Doorgunner Training (MG-Bordschütze von Transporthubschraubern)
  • Verhalten bei einer Bedrohung durch Boden-Luft Lenkwaffen – glaubwürdig dargestellt durch ungarische Flugabwehrraketensysteme 2K12 KUB (SA-6 Gainful)
  • MEDEVAC-Einsätze (MEDical EVACuation) – d.h. die Evakuierung von Verletzten. Dabei wurde der international übliche “MEDEVAC 9-Liner”, d.h. eine 9-zeilige Anforderung eines MEDEVAC Einsatzes angewendet
  • Einsätze unter staubigen und heißen Bedingungen bei Tag und Nacht. Insbesondere ein Brown Out Training, d.h. das richtige Verhalten bei stark eingeschränkter Sicht durch Staub, der bei Starts und Landungen von den Rotoren hochgewirbelt wird

Alle diese Missionen wurden unter Einhaltung der NATO Richtlinien geflogen, die sich mittlerweile bei internationalen Einsätzen weltweit als Standard durchgesetzt haben und daher auch vom Österreichischen Bundesheer beherrscht werden müssen.

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Gorup / Bundesheer

Hubschrauber des Bundesheeres sind derzeit am Balkan zur Unterstützung der KFOR bzw. der EUFOR ALTHEA in multinationalen Verbänden eingegliedert. Die Fähigkeit zur Interoperabilität, auch wenn es “hart auf hart” kommt, ist dafür eine notwendige Voraussetzung, welche nur durch Übungen wie der Logical Decision 2011 erfüllt werden kann.
Für das Bundesheer war die Teilnahme an der Übung zudem eine gute Gelegenheit, Einsätze unter staubigen und heißen Bedingungen zu üben. Eine ideale Ergänzung zur Übung Cold Response 2010 in Norwegen, wo unter arktischen Bedingungen sehr ähnliche Missionen durchgeführt werden konnten. Man kann ja nie wissen, wo der nächste Einsatz österreichischer Hubschrauberpiloten erforderlich sein wird.

KRIEGSBEMALUNG FÜR DEN KIOWA

Hat man bei der Übung Cold Response 2010 mit einer Wintertarnung experimentiert, so wurde von der Staffel für die Logical Decision 2011 eine attraktive Sommertarnung entwickelt und angebracht. Der wasserlösliche Anstrich wurde bei den Hubschraubern 3C-OJ und 3C-OL auf der Basisfarbe des OH-58 mit einem Pinsel aufgebracht. Dem Modellbauer freut sicherlich die exakte Farbauswahl: RAL8024 Beigebraun, RAL7022 Umbragrau und RAL1014 Elfenbein. Es gibt Bestrebungen, dieses Schema dauerhaft für die gesamte Kiowa-Flotte (außer 3C-OK mit Sonderanstrich ‘Kiowa’ natürlich) einzuführen. Daumen hoch!

Weiterführende Links

Wir bedanken uns bei Herrn Olt Kappl für die Informationen zur Übung und bei Herrn OStWm Gorup, der wieder einmal für eine großartige Dokumentation der Übung gesorgt hat und uns seine Bilder für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat.

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