LETTLAND KAUFT ÖBH-PANZERHAUBITZEN

25. April 2017

BUNDESHEER, NEWS

155 mm Panzerhaubitzen M109A5Ö © Bundesheer155 mm Panzerhaubitzen M109A5Ö © Bundesheer

Angesichts der gewachsenen Bedrohung durch den russischen Nachbarn investieren die baltischen NATO Staaten in die Schlagkraft ihrer Streitkräfte. Auch der 2 Mio. Einwohner-Staat Lettland verlässt sich nicht ausschließlich auf seine Bündnispartner. Das Land hat bereits 2014, im Jahr der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland, 123 gebrauchte britische Panzerfahrzeuge CVR(T) beschafft.

Auf der Suche nach gebrauchtem Gerät zum Aufbau einer Artillerietruppe wurden die Letten in Österreich fündig. Wie das lettische Verteidigungsministerium am 21. Februar 2017 mitteilte, erwirbt das NATO-Mitglied 47 Panzerhaubitzen M109A5Ö aus Beständen des österreichischen Bundesheeres.

Dabei handelt es sich um 155 mm Panzerhaubitzen M109A5Ö, Rechenstellenpanzer M109 und Fahrschulpanzer M109. Die Stückpreise variieren von 60.000 EUR bis 140.000 EUR je Variante – die Aufteilung nach Fahrzeugtypen ist nicht bekannt. Nach Angaben der Medienplattform LSM.lv beträgt das Gesamtvolumen der Beschaffung etwa 6 Mio. EUR, wodurch sich ein durchschnittlicher Stückpreis von nur 127.000 EUR ergibt. Angesichts des Ausrüstungsstandes der A5Ö Version ein Schnäppchen.

Lettische Soldaten befinden sich längst zur Ausbildung in Österreich. An der “Gemeinsamen Gefechts- und Schießausbildung” GGSA17 etwa nahmen auch 14 lettische Soldaten teil. Im Herbst 2017 soll die Auslieferung der Panzerhaubitzen starten.

Bemerkenswert ist, dass alle drei baltischen NATO Staaten – den sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen geschuldet – nahezu gleichzeitig 155 mm Panzerhaubitzen einführen und dabei nicht gemeinsame Sache machen. Littauen hat um 58,3 Mio EUR 21 gebrauchte Panzerhaubitzen PzH 2000 aus Deutschland bestellt. Estland verhandelt derzeit mit Südkorea über den Ankauf von 12 gebrauchten Panzerhaubitzen K9 Thunder.

ZUKUNFT DER PANZERHAUBITZEN BEIM BUNDESHEER

Durch das Rüstungsgeschäft verliert das Österreichische Bundesheer mit einem Schlag einen großen Teil der Artillerie, wobei kaum die Hälfte der Panzerhaubitzen auch genutzt werden und sich viele Geschütze des Typs A in Langzeit-Materialerhaltung befinden. Im Dezember 2014 gab es laut einer Anfragebeantwortung noch 136 Panzerhaubitzen und 41 Rechenstellen (inkl. Langzeit-Materialerhaltung). Doch im selben Monat präsentierte die Bundesregierung das Strukturpaket ÖBH 2018, das eine drastische Reduktion der Artillerie vorsah. Aufgrund der geänderten Bedrohungslage und einer Regierungsumbildung (inkl. Ministerwechsel) ist das Strukturpaket nicht vollständig umgesetzt worden, jedoch sieht auch die aktuelle Reform Landesverteidigung LV 21.1 eine Reduktion bei den Artillerieverbänden vor. Das Aufklärungs- und Artilleriebataillon 3 (AAB3) aus Mistelbach wanderte zum Kommando Schnelle Einsätze, verliert die Artilleriekomponente und wird zum reinen Aufklärungsverband. Für die verbleibenden AAB4 und AAB7 sind nur mehr je zwei Panzerhaubitzbatterien vorgesehen. Bei je zwei Zügen zu je 4 Geschützen sind 16 M109A5Ö pro Bataillon bzw. insgesamt nur mehr 32 “aktive” Rohre in der Einsatzorganisation vorgesehen (plus Rechenstellen M109 sowie Fahrschulpanzer).
Die (derzeit nicht vorgesehene) Einführung von Präzisionsmunition könnte diesen Verlust an Schlagkraft zumindest teilweise kompensieren.

Laut einer Publikation der Heeerestruppenschule aus 2014*, sollten damals 40 österreichische M109A5Ö im Zuge einer erweiterten Inspektion modifiziert werden: Der stärkere Motor des Typ B (54 Stk vorhanden) sollte in die Wannen des Typ A (53 Stk, langzeitgelagert) eingesetzt werden. Der Einbau der Hardwarekomponenten für das Führungs- und Waffeneinsatzsystem Combat NG, CONRAD Truppenfunk sowie von Teilkomponenten der Waffe Typ B in den Typ A sollte zu einem neuen einheitlichen Typ C führen. Unklar ist, ob das bereits angelaufene Programm auch abgeschlossen wurde (oder noch wird) und ob sich nach dem Verkauf der Geschütze an Lettland das Programm noch umsetzen lässt.

Weiterführende Links:

*) Waffengattungsseminar 2014, Beitrag Artillerie aus Exempla Docent. Schriftenreihe der Heerestruppenschule Nummer 1/2014

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